Wie sieht eine konstruktive Kritik aus?

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Wie sieht eine konstruktive Kritik aus?

 
Nutze dieses Thema um über folgenden Beitrag aus meinem Blog zu diskutieren:
Wie sieht eine konstruktive Kritik aus?

Wie muss bei dir konstruktive Kritik aussehen?
Was würdest du dir von einem Probeleser wünschen?

von Jacky

 
Schön wäre es, wenn mehr handwerksbezogen käme, von Leuten, die das Handwerk beherrschen. Die gibt es aber halt nicht so oft und ich meine, das braucht es auch gar nicht unbedingt. Letztlich sind wir hier um zu lernen, dürfen erst selbst veröffentlichen wenn wir kommentiert und kritisiert haben und schon deshalb ist das mit dem handwerklichen Wissen so 'ne Sache.

Mir hilft es viel, wenn mir ein Probeleser schreibt, wie mein Werk auf ihn "einwirkt", sprich - ist es leicht und flüssig lesbar, ist alles plausibel, welche Bilder entstehen im Kopf, welche Emotionen werden ausgelöst, wirkt es langweilig, spannend, gibt es Unklarheiten, hat er es gern gelesen oder musste er sich zwingen zu Ende zu lesen, usw. - eben gerade und besonders das Subjektive! Das kann jeder schreiben und wenigstens zum Teil auch begründen. Für mich ist das sehr hilfreich, besonders auch um der Frage nach zu gehen, wie meine ich etwas und wie kommt es beim Leser an - das ist hochinteressant!
Das hilft mir auch handwerklich, weil ich weis, was ich beim Leser erreichen möchte und wenn der mir dann Antwortet, was ich bei ihm tatsächlich erreicht habe, ist das schon sehr viel Wert. Mit diesen Informationen habe ich dann eine gute Basis um mich handwerklich weiter zu entwickeln.

Weiter glaube ich, dass konstruktive Kritik nichts mit handwerklichem Hintergrund zu tun haben muss. Für mich ist konstruktiv dann, wenn es ehrlich ist, sich aufs Werk bezieht und nachvollziehbar ist.

von Peter

 
Nein, ich finde, man muss nichts am Leser ändern und du hast es nichts umsonst geschrieben, selbst wenn etwas nicht so ankommt wie geplant. Mit dem Handwerk kann es zu tun haben, muss aber nicht.

Jeder verknüpft das ,was er neu hinzulernt, oder erlebt/erfährt, oder eben liest, mit dem, was er bereits an Erfahrungen hat. Durch das Verknüpfen entstehen dann Bilder, Eindrücke, Emotionen, .... . Je nach dem, woher er kommt, was er macht, was er bisher erlebt hat, sind die Bilder, Eindrücke , ... anders.

Wenn in einem Werk z.B. etwas enthalten ist, das ein Leser mit einer negativen Erinnerung verknüpft wird, kann es so gut sein, wei es will - es wird ihm nicht gefallen.

Zum Beispiel die Beschreibung eines Bilds von Picasso: Mal angenommen du schreibst es so, als würdest du über ein Bild schreiben und beim Leser bereits Wissen über Picasso voraussetzen. Wenn jemand mit Picasso nichts am Hut hat, dann bedeutet das nicht, dass dein Text schlecht ist - er ist nur für den fachkundigen Leser geschrieben. Würdest du ihn für unkundige Leser schreiben, müsstest du es anders schreiben - mit mehr Informationen, vielleicht etwas mitreißender und interessanter, damit der Leser dabeibleibt und beginnt sich für Picasso zu interessieren.

Entsprechend wird dann auch Kritik geübt. Für den einen Leser ist dein Werk über Picasso zu oberflächlich, der würde gerne tiefer einsteigen und für den anderen Leser wird zu viel vorausgesetzt. Und dann gibts sicherlich auch welche, die sich fragen ob man dazu überhaupt was schreiben muss. Und auch solche, die in Lobeshymnen aufgehen, weil sie dir gar nicht folgen können und deshalb meinen dass du da was herausragendes geschrieben hast.

Ich denke die Frage ist, was will ich schreiben und wen will ich damit erreichen. Daraus ergibt sich dann, wie ich es handwerklich aufbereiten muss und wie ich mit der Kritik, die dann kommt umgehe.
Zum Thema "konstruktive Kritik" gehört auch, dass man sie "konstruktiv" lesen und interpretieren kann.

von Peter

 
Hallo

Vorgestern ist es mir passiert: Ich las einen Text und war empört. Also schrieb ich einen Kommentar und machte dem Autor in deutlichen Worten klar, dass er meiner Meinung nach mit seinem Text eine bestimmte Menschengruppe und zugleich sich selbst verunglimpfte und am Ende nur billige Klischees bediente.

Dies war destruktive Kritik! Etwas Konstruktives vermochte ich ihm (leider) nicht zu sagen. Also habe ich gestern beschämt die Administratoren gebeten, diesen Kommentar doch bitte ersatzlos zu streichen...

Gelernt habe ich daraus, dass ich einen Text nur dann konstruktiv kritisieren kann, wenn ich ihn - zumindest in seinem Kern - mag. Wenn ich schreiben kann: „Hey, das ist ein toller Ansatz! Gefällt mir... Aber dies und jenes könntest Du meiner Meinung nach noch besser machen...“ Dann kann ich ihm – konstruktiv – das sagen, was mir aufgefallen ist... Mir persönlich halt so aufgefallen und ganz sicher ohne Unfehlbarkeitsgarantie!

Und hoffen, dass ein oder zwei meiner Anmerkungen ihm helfen, mit seinem Schreiben voranzukommen. Dann ist es richtig. Dann ist es das, was wir in diesem Forum doch wollen: Uns gegenseitig in positiver Weise stützen und kritisieren, um voneinander zu lernen und am Ende bessere Schreiberlinge zu werden...

herzlich :D

Merlinor

von Merlinor

 
Dabei sind gerade die negativen Punkte in meinen Augen die, die wichtig für den Verfasser sind.

Ich weiß selbst wie schwierig es ist, so etwas konstruktiv zu formulieren. Aber ich denke auch, dass es möglich ist.

Solange du es freundlich formulierst, immer ein "warum" (Warum ist diese stelle langweilig? Warum ist es schwer für dich weiter zu lesen? Warum kotzt dich das alles an?) hinufügst und vielleicht sogar einen Verbesserungsvorschlag parat hast, kann dem Autor eigentlich nichts besseres passieren.

Natürlich nur wenn er überhaupt bereit ist Kritik anzunehmen. Wie ich schon im Artikel über "Kritik ertragen" geschrieben habe, ist das ja nicht immer gegeben.

Aber wenn es dir wichtig genug ist, dann wirst du dir auch Mühe geben und es zu verstehen versuchen. Immer das Beste daraus machen ;)

lg
Jacky ;)

von Jacky