Wie Workshop gestalten?

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Wie Workshop gestalten?

Beitragvon Darielle » 24.09.2015, 00:21

Guten Abend,

ich bin schon länger nicht mehr hier gewesen, aber das hat private Gründe. Ich bin dennoch dem Schreiben an sich weiterhin verfallen.

Nun zu meiner Frage:
Ich habe die Chance, als Privatperson bzw. Mitglied eines gemeinnützigen Kulturvereins einen Workshop zum Thema Kreatives Schreiben zu machen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich bisher ja immer alleine geschrieben habe. Ich habe Schreibratgeber mit den wichtigsten Eckregeln und Anregungen und natürlich auch immer mal wieder Austausch mit anderen Autoren. Aber ich würde mich nicht als Experte bezeichnen. Mir geht es - da ich auch selbst noch nicht veröffentlicht habe - vor allem um die Autoren, die eben den Sprung zum Verlag noch nicht geschafft haben und eventuell etwas hierfür schreiben wollen oder ein bisheriges Werk fertig überarbeiten möchten.

Nun stellt sich die Frage, wie man so einen Workshop eigentlich macht. Die Rahmenbedingungen sind da, aber wie geht es inhaltlich? Muss ich mich auf einen konkreten Bereich konzentrieren, zum Beispiel die Frage, wie man Spannung aufbaut oder wie man Charaktere gestaltet? Sollte jemand zum Einstieg etwas über Schreibtechniken vortragen um sie in Übungen dann umzusetzen oder sollte man einfach nur gegenseitige Fragen beantworten und sich inspirieren?
Ich kann mir auch Brainstorming zu den Projekten der Teilnehmer vorstellen. Aber mir fällt es verdammt schwer, mich hier für eine Sache zu entscheiden. Leider hatte ich noch nie die Möglichkeit, selbst an einem Workshop teilzunehmen, weil es in meiner Umgebung keine gab/gibt. Eben deshalb möchte ich das ja nun selbst in die Hand nehmen.

Über hilfreiche Tips wäre ich daher sehr dankbar. :)
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Re: Wie Workshop gestalten?

Beitragvon brehb » 24.09.2015, 16:01

Hallo Darielle,

einen "Workshop zum Kreativen Schreiben" aufzusetzen verlangt, sich klar zu machen, was man damit erreichen will. (Mich hatte eine VHS einmal mit einem solchen Workshop unter "Gesundheit/Lebenshilfe" eingereiht)

Um ein mögliches/erreichbares Ziel festzulegen, muss man wissen, wie lange solch ein Workshop laufen soll
(1 Mal zwei Stunden, einen ganzen Tag, 10 Abende a zwei Stunden?...)
und welche Voraussetzungen (und Erwartungshaltungen) die Teilnehmer mitbringen (Kann man beides zu Beginn erfragen. Was einen ganz schön erschrecken kann, wenn man einen "ganz anderen Workshop" vorbereitet hat.)

Soll das eine einzige Veranstaltung werden (einen Tag z.B.), so liegt die Erwartung der Teilnehmer eher auf "kreativ", also da kommen solche, die wissen, dass man Schreiben nicht an einem Tag lernen kann, (oder die schon etwas schreiben können) die aber glauben, dass es Tricks und Anregungen gibt, um kreativ zu werden. Das kann man (versuchen zu) vermitteln, dafür gibt es Übungen und die kann man (schreibend/denkend) machen und Erfolge/Misserfolge im Plenum disskutieren. Als Basis eignet sich da ein Fragenkatalog, den man zu Anfang mit den Teilnehmern erstellt. (Ich sitze stundenlang vor einem leeren Blatt... Mir fällt nichts ein, worüber ich schreiben soll... Ich weiß nie, wie ich anfangen soll... das ist alles so platt, was ich schreibe...)

Soll die Veranstaltung über mehrere Einheiten geführt werden, ist es möglich, den Teilnehmern "Schreiben" nahezubringen. Am besten eignet sich für Anfänger die Kurzgeschichte als "Lehrstoff". Die kann man sowohl von der Struktur, von der Dramaturgie, vom Schreibstil sowohl in der Theorie darlegen als auch in Praxis üben lassen. (Man glaubt gar nicht, welch tolle Geschichten Menschen in kürzester Zeit (z.B. 30 Minuten) schaffen, wenn man sie darum bittet) Die Ergebnisse (vorlesen lassen vom Autor) werden in Wirkung/Qualität im Plenum beredet, (wenn die Menschen damit einverstanden sind) Und wegen der Kompaktheit einer KG lassen sich neben "Sprachregeln" (Grammatik, RS, Interpunktion...) auch viele "Schreibregeln" (Erster Satz, Perspektive, Satzbau, Wortwahl, Methaphern, Show, don't tell...) anbringen. Solche Leitplanken sind es, die die meisten, die auf solche Workshops gehen, erwarten. Ob jemand hinterher kreativer ist (oder nur fleißiger/selbstbewusster) weiß ich allerdings nicht. (Und möchte ein Teilnehmer einen Roman schreiben, verweist man ihn auf den Folgeworkshop, der sich mit Plot, Charakterformung, Weltenbau... beschäftigt)

Das eigene Vorgehenskonzept (Lehrskitze) zu erstellen dauert ca. fünf mal so lange, wie die Veranstaltung selbst. (Es lohnt sich also, die Veranstaltung mehrfach zu planen)

Vielleicht hilft dir das etwas.

LG brehb
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Re: Wie Workshop gestalten?

Beitragvon Neee » 25.09.2015, 14:31

Hallo Darielle,
Ich find es als Teilnehmerin, egal um was für eine Art Workshop es sich handelt, immer schön, wenn der Leiter/die Leiterin auch schon Erfahrung in dem Thema hat. Von einem Workshop zum Thema "Nach dem Schreiben - der Verlag und Du" würd ich dir daher eher abraten.
Für meinen Geschmack sollte ein Workshop auch immer Übungen, Gruppendiskussionen oder irgendwas in der Richtung haben. Ein Workshop, bei dem jemand nur etwas vorträgt, ist eine Vorlesung.

Manche Workshops starten auch damit, am Anfang oder im Vorfeld von den TeilnehmerInnen Informationen einzusammeln, was sie erwarten/was sie sich erhoffen und was eine Katastrophe wäre. Wäre das für dich eine Option?
Wer ist denn deine Zielgruppe?

Welches der Themen begeistert dich am meisten? Diese Begeisterung wird auch in den Workshop fließen und auf die TeilnehmerInnen schwappen. Zu welchem Thema hättest du dir selbst einen Workshop gewünscht? Zu welchem Thema fällt dir am meisten ein?

Ansonsten: Dein Workshop - Deine Spielwiese Tob dich aus. :)
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Re: Wie Workshop gestalten?

Beitragvon Darielle » 28.09.2015, 19:07

Hallo ihr beiden,
nun habe ich endlich wieder Zeit gefunden, hier herein zu schauen. Danke bis hier her für eure Antworten. :)

Geplant ist, dass der Workshop regelmäßig in gewissen Abständen stattfindet. So kann sich über eine gewisse Dauer auch eine feste Gruppe bilden, in der man sich und die Werke irgendwann kennt und einen gemeinsamen Fahrplan findet. Es ist also gar nicht so sehr mein Wunsch, selbst als Tutor tätig zu werden oder anderen etwas lehren zu wollen. Natürlich kann ich von meinen Erfahrungen her Tips geben, aber mehr eigentlich nicht. Aber Übungen gehören dazu, Textanalysen und das Kennenlernen der Grundregeln. Ich sehe das genau so wie du, Neee. Ein Workshop lebt von den verschiedenen Ideen und Meinungen von Teilnehmern.

Ich habe mit Verantwortlichen aus dem Verein gesprochen. Die finden die Idee zwar super, aber sie wissen nicht, wie man das umsetzen kann. Sie machen jetzt ungefähr seit einem Jahr Veranstaltungen und Workshops zu verschiedenen Themen, daher meinten sie, es wäre besser, wenn ich es nicht alleine plane, sondern quasi ein Team für die Organisation dazu hole. Ich muss mir da wirklich noch Gedanken machen, wie ich das Konzept so konkretisiere, dass es für den Verein und später auch für Gäste greifbar wird.

Also vielen Dank schon mal für die Unterstützung, eure Fragen haben mich schon weiter gebracht. :)
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Re: Wie Workshop gestalten?

Beitragvon Tinki » 29.09.2015, 10:58

Moieeen,

Das der Workshop über eine längere Zeit gehen soll, ist schonmal ein guter Ansatz. (Wenn nicht sogar das wichtigste. Innerhalb von 2 Std. vermittelt man niemandem das "komplexe Thema" Bücher schreiben.) Dazu brauchs weit mehr Zeit. Auch das du damit nicht allein sein wirst (Organisation) halte ich für sehr wichtig. Man kann ja doch nicht an alles denken & dem einen gefällt der "Teamleiter / "Dozent"" besser, wie der andere. Der bringt das besser rüber, der das. Dieser hat den Schwerpunkt bei dem Thema, der andere ist bei nem anderen Thema fitter (...).

Muss ich mich auf einen konkreten Bereich konzentrieren, zum Beispiel die Frage, wie man Spannung aufbaut oder wie man Charaktere gestaltet?


Ich würde das in einzelnde Stunden (Wochen?) unterteilen, je nachdem wie komplex und ausführlich das Thema ist. Spannungsaufbau & Plot sind m.E. wichtiger, als da einfach nur ne X-beliebige Figur hinzustellen, die gerade da ist. Natürlich muss diese zum Plot passen und sollte auch ausgereift sein, aber ... Die Figur ist eben nur die halbe Miete.
Da find ichs persönlich auch wichtig, dass du dich da mit deine Teilnehmer drüber unterhälst. Wo meinen sie, sind ihre Stärken und Schwächen. Wie "Fit" sind sie bereits beim Schreiben, Erfahrungen (...). Wenn du merkst, du hast da mega kreative Köpfe vor dir, die da ne super spannende Idee haben, nur dass sie noch nicht die richtige Person dafür gefunden haben, dann ist das was ganz anderes, als wenns lediglich am Spannungsbogen fehlt. Wie immer ist Kommunikation alles. ^^

Sollte jemand zum Einstieg etwas über Schreibtechniken vortragen um sie in Übungen dann umzusetzen oder sollte man einfach nur gegenseitige Fragen beantworten und sich inspirieren?


Schau erstmal wie "Erfahren" sie in diesem Bereich sind. Je nachdem könntest du die Übungen anpassen. Fürn Newbie wird das füllen einer Seite schon "schwer" genug sein, während ein "erfahrener" dir ne DIN A4 Seite innerhalb von 10 Minuten vollkritzelt.
Die erste Stunde könnte ja daraus bestehen, deine Teilnehmer kennenzulernen. Zu erfahren, wieviel Erfahrung sie bereits in diesem Bereich haben, was sie erreichen wollen, welches Genre etc. Selbst bei "nur" 3 Teilnehmern kommt da sicher einiges zusammen. Je nachdem würde ichs dann aufbauen.
Nach und nach in die "Welt des Schreibens" einführen, wenns Frischlinge sind, und das grobe (und wichtige) Wissen vermitteln. Am Ende (der Woche?) bspw. mit einer kleinen Fingerübung, wo man das "frisch gelernte" umsetzen kann. Vllt. sogar mit einem Vortrag, wenn das deine Schüler den möchten / sich trauen.

Tinki, die gerade vor ihrem Dozenten sitzt & über ein anderes Thema bezüglich der Textarbeit "lauscht". :XD:
Ich bin ein Kühlschrank-Zwilling!

Mich zu verstehen ist so, als würde man versuchen Wackelpudding an die Wand zu nageln.
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