[Humor]Zeit ist wie...

Komödie, Satire, Parodie

[Humor]Zeit ist wie...

Beitragvon Iroko » 02.09.2014, 11:57

...ein Sumoringer - einmal losgelaufen, kann man sie nicht mehr aufhalten.

Eintrag 8: 02.09.2009, oder so
Es ist jetzt schon einen Monat und vier Tage her. Ich weiß nicht, was ich noch machen soll. Erst habe ich gar nichts gerafft. Ich meine, wer glaubt mir schon, wenn ich ihm sage, dass ich in einer Welt lebe, in der es keine Zeit (mehr) gibt? Wahrscheinlich niemand.

Damit ich überhaupt jemanden habe, mit dem ich reden kann, schreibe ich diese Zeilen und lese sie beim Schreiben laut vor. Naja, dass ich keinen habe, stimmt nicht so ganz. Immerhin habe ich die ganze Menschheit um mich rum. Doch was bringt es, wenn sie wie irgendwelche Michelangelo-Statuen dumm in der Gegend rumstehen (oder sitzen)?

Eigentlich ist das ja ganz cool. Man hat seine Ruhe, geht nicht mehr in die Schule und so. Anfangs habe ich den Mädchen immer unter den Rock geschaut, wenn sich die Gelegenheit ergab. Ich meine, wenn man so eine Chance hat, nutzt man sie doch, oder? Dieser eine Max da, von dem ich schon in Eintrag 6 geschrieben habe, an dem habe ich mich jetzt gerächt. Wenn die Zeit wieder weiter geht (und ich hoffe, irgendwann wird sie das), dann wünschte er sich, er hätte sich in der Einkaufsstraße doch was angezogen.

Zeit. Ein komisches Wort, wenn man mal überlegt. Ich kenne sonst kaum Wörter mit „Z“. Sonst fällt mir nur noch „Zaun“ ein, aber naja. Ich frage mich, wieso es diesen Zeitstopp (so nenne ich das Ganze mal) gibt. Wieso bin ich eigentlich der einzige, der nicht davon betroffen ist? Ich weiß, das habe ich schon im ersten Eintrag geschrieben und ich will auch jetzt nicht damit nerven. Aber kann es sein, dass es doch höhere Mächte auf der Welt gibt... vielleicht so eine Art Gott? Will er mich testen oder so?

Aber was für einen Sinn hat das denn? Ich kann fast NICHTS machen. Ich dachte, jetzt könnte ich endlich irgendwie Auto fahren oder so. Das habe ich natürlich auch schon probiert. Aber als ich den Zündschlüssel von meinen Eltern in das Auto gesteckt habe, passierte gar nichts (ich habe natürlich auch den Schlüssel umgedreht!). Anscheinend kann ich nur kleine Sachen während dieses Zeitstopps bewegen, aber Strom geht gar nicht. Essen muss ich auch nicht mehr, was komisch ist, weil ich eigentlich ein Vielfraß bin, der alles in sich reinstopft. Aber irgendwie bin ich die ganze Zeit so voll, dass mir nur bei dem Gedanken an Essen schlecht wird.

Manchmal fühle ich mich schon alleine. Als ich mal vor den Augen meiner Eltern ein Chukalaka-Tanz auf dem Tisch getanzt habe (ja, habe ich selbst erfunden, nicht wundern), war ich schon irgendwie traurig. Ich konnte endlich alles machen, was ich wollte, doch niemanden hat es interessiert. Etwas Ähnliches habe ich mit meiner fiesen Nachbarin, Frau Güllenscheidt (lieblich Frau Gülle genannt), gemacht. Als dieser Zeitstopp losging, war sie grad am Unkraut-Jähten. Ich hab dann ein paar schöne Spinnen in den Unkrauteimer getan (extra aus der Zoohandlung geholt) und wenn sie wieder aufwacht, wird sie sich freuen.

Ich hoffe, ich finde noch irgendeine Lösung für diesen Zeitstopp. Langsam wird es echt langweilig. Wenn ich an die Zeit davor denke, wo alles noch normal war, dann höre ich immer das Wort „Skalpell“. Ist das jetzt ein gutes Zeichen...?
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Re: Zeit ist wie...

Beitragvon Räubertochter » 04.09.2014, 13:31

Hallo Iroko,

ich vermute, dass du aus der Sicht eines Jugendlichen einen Tagebucheintrag schreibst, daher möchte ich mal zum Thema Sprache von einer Sprache ausgehen, die auch zu einem Jugendlichen passt. Trotzdem gibt es da ein paar Sachen anzumerken.
Außerdem habe ich ein Grundproblem mit dieser Szene: Sie ist in sich völlig inkonsistent, fast vom ersten Satz an.

Es ist also so, dass die Zeit stehen geblieben ist. Anscheinend sind alle Menschen völlig "eingefroren" und nur dein Protagonist kann sich zwischen ihnen noch bewegen. Trotzdem vergeht auch für ihn keine Zeit, da er sich nicht mehr hungrig fühlt.

Aber der Tagebucheintrag fängt so an:
Es ist jetzt schon einen Monat und vier Tage her.

Es sind ein Monat und vier Tage vergangen. Also, richtig: Zeit. Die es aber angeblich nicht (mehr) gibt.

Man hat seine Ruhe, geht nicht mehr in die Schule und so.

Nummer eins (nach der Überschrift). "und so" wiederholt sich in deinem Text sehr oft. Abgesehen von der Tatsache, dass es ein völlig unnützer Einwurf ist. (Aber ich wollte ja Dinge, die man als Jugendsprache durchgehen lassen kann einfach so stehen lassen.)

Dieser eine Max da

Oder auch: Max. Dieser eine Max da? Das ist schon sehr ... jugendlich. Ich habe nie so geredet, geschweige denn geschrieben.

Wenn die Zeit wieder weiter geht (und ich hoffe, irgendwann wird sie das), dann wünschte er sich, er hätte sich in der Einkaufsstraße doch was angezogen.

(Ausgerechnet) Zeitenverwirrung. Wenn die Zeit weiter geht ist vereinfacht gesagt Zukunft. Dann muss es heißen dann wird er sich wünschen.

Ich kenne sonst kaum Wörter mit „Z“.

Wirklich? Armer Kerl. Zwerg. Zahl. Zwiebel. Zirkus. Zeisig. Zukunft. Zufall. zusehen. zuständig. Zweifel. Zwischenfall. zahm. zärtlich. Zinken. Zelt. Zimmer. Ich muss nicht einmal ernsthaft nachdenken. Das kommt mir schon sehr seltsam vor, dass jemand keine anderen Wörter mit "Z" kennt als Zeit und Zaun.

Aber was für einen Sinn hat das denn?

Wenn es ein Test einer höheren Macht ist hat es wohl den Sinn, ein Test zu sein. Wäre irgendein anderer Sinn sofort klar, wäre das ja ein bisschen einfach für einen Test.

Ich dachte, jetzt könnte ich endlich irgendwie Auto fahren oder so.

Auch noch irgendwie und oder so. Das wird fast ein bisschen anstrengend zu lesen.

Anscheinend kann ich nur kleine Sachen während dieses Zeitstopps bewegen, aber Strom geht gar nicht.

Elektronen sind doch aber viel kleiner als Schlüssel. Oder Menschen. Oder, wenn wir gerade dabei sind, Autos.

(lieblich Frau Gülle genannt)

Ich vermute, es ist ironisch gemeint. Dann eher "liebevoll". Lieblich ist Rosenduft.

Als dieser Zeitstopp losging, war sie grad am Unkraut-Jähten.

Als dieser Zeitstopp anfing war sie gerade am Unkraut jäten.

wenn sie wieder aufwacht, wird sie sich freuen

Schläft sie denn? Vielleicht ist sie für sich in genau der selben Situation wie der Protagonist. Gefangen in ihrer eigenen Zeit. Das wäre wiederum interessant.

Wenn ich an die Zeit davor denke

Schon wieder Zeit. Da es doch gerade keine Zeit gibt, wieder irgendwie inkonsistent.

Ich bin etwas verwirrt. Da ist also die Zeit mehr oder weniger stehen geblieben und manchmal auch nicht. Ich weiß nicht wirklich etwas über deinen Protagonisten, außer dass er vermutlich ein männlicher Jugendlicher ist. Für ihn geht die Zeit ein bisschen weiter (Bewegung), ein bisschen aber auch nicht (Essen, Strom). Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Tagebucheintrag eine Geschichte in sich oder Teil einer längeren Geschichte sein soll, ich gehe mal vom zweiten Fall aus. Und jetzt? Am Ende hat man das Gefühl, außer der groben Tatsache eines Mal-so-mal-so Zeitstopps nicht wirklich etwas erfahren zu haben. Als Köder kommt dann das Skalpell. Für mich war es da zum ködern schon ein bisschen zu spät, ehrlich gesagt.

Ich mag die die Idee des Zeitstopps für ein Jugendbuch durchaus. Gerade aus der Frage, ob denn alle in ihrer eigenen Zeit gefangen sind könnte man sicher etwas machen. Aber gerade als Jugendliche war ich doch sehr spannungsorientiert beim Lesen, da hätte mich das nicht ausreichend gefesselt.
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Re: Zeit ist wie...

Beitragvon Iroko » 04.09.2014, 16:12

Hi Räubertochter,

erstmal: danke für deine Antwort :)
Ja...ich muss zugeben, viele deiner entdeckten Fehler leuchten mir jetzt schon ein, dafür ein großes Danke.
Ich antworte mal zu den einzelnen Passagen.

Räubertochter hat geschrieben:Aber der Tagebucheintrag fängt so an:
Es ist jetzt schon einen Monat und vier Tage her.

Es sind ein Monat und vier Tage vergangen. Also, richtig: Zeit. Die es aber angeblich nicht (mehr) gibt

Ich hätte wohl sowas wie "Es fühlt sich schon an, als wäre ein Monat vergangen." schreiben sollen, oder?

Räubertochter hat geschrieben:
Dieser eine Max da

Oder auch: Max. Dieser eine Max da? Das ist schon sehr ... jugendlich. Ich habe nie so geredet, geschweige denn geschrieben.

Komisch. Heutzutage redet man so als Jugendlicher. Zumindest ich und noch die Leute aus meiner Umgebung :)

Räubertochter hat geschrieben:
Anscheinend kann ich nur kleine Sachen während dieses Zeitstopps bewegen, aber Strom geht gar nicht.

Elektronen sind doch aber viel kleiner als Schlüssel. Oder Menschen. Oder, wenn wir gerade dabei sind, Autos.

Ja, stimmt schon. Ich meinte aber nicht "Strom bewegen", sondern das bloße Anmachen von irgendwelchen elektrischen Sachen.

Räubertochter hat geschrieben:
Wenn ich an die Zeit davor denke

Schon wieder Zeit. Da es doch gerade keine Zeit gibt, wieder irgendwie inkonsistent.

Jetzt gerade nicht. Aber davor existierte Zeit, zumindest wollte ich das so vermitteln.

Räubertochter hat geschrieben:Ich weiß nicht wirklich etwas über deinen Protagonisten, außer dass er vermutlich ein männlicher Jugendlicher ist.

Da es eine Kurzgeschichte ist, habe ich mir die ganze Charakterbeschreibung gespart. Da es auch nur ein Einteiler ist (Eintrag 1-7 sowie nachfolgende Einträge bleiben dem Leser offen), wollte ich nicht die Hälfte nur den Charakter beschreiben. Ich dachte auch, eine Kurzgeschichte lässt sowas (fast) komplett weg? So hab ich das zumindest mal gelernt.

Ich weiß, dass man mehr hätte rausholen können, ich liebe solche Sci-Fi-Endzeit-Szenarios etc. voll :D Ich habe dies aber eher als Schreibübung gesehen. Im Nachhinein hätte ich mir natürlich viele Fehler sparen können.

Danke aber auf jeden Fall für deine Kritik. Ich werde mir sie zu Herzen nehmen :)
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Re: Zeit ist wie...

Beitragvon Lindberg » 25.09.2014, 19:33

Hallo Iroko!
Zuerst einmal finde ich, dass deine Geschichte als Schreibbung durchaus gelungen ist. Es trifft meiner Meinung nach den Stil eines Tagebucheintrags sehr gut. Allerdings fehlt mir hier als Kurzgeschichte betrachtet die Handlung. Im Grunde handelt es sich weniger um eine Geschichte, sondern eher um eine Aufzählung von Gedanken des Protagonisten, die allerdings keine wirkliche Verbindung zueinander aufweisen.
...ein Sumoringer - einmal losgelaufen, kann man sie nicht mehr aufhalten.


Schonmal ein witziger Einstieg. Der Titel "Zeit ist wie..." deutet eher auf eine nachdenkliche Geschichte hin. Das dann soetwas kommt, sagt bereits einiges über den Stil der Kurzgeschichte aus. Vielleicht hättest du den Sumoringer an späterer Stelle noch einmal erwähnen können, denn irgendwie kann ich den Vergleich noch nicht ganz zuordnen. Es macht den Anschein, als wolltest du etwas schreiben, das möglichst lustig ist, aber keinen wirklichen Bezug zum Inhalt hat.
Es ist jetzt schon einen Monat und vier Tage her


Ich denke, zur Inkosistenz wurde schon einiges gesagt. Leider ist es bei solchen Geschichten, in denen es um Zeitstopps, Zeitreisen, etc. geht, immer etwas problematisch mit der Konsistenz. Man muss ziemlich weit und ziemlich verschachtelt denken und irgendwie funktioniert es dann trotzdem nicht (Daher bin ich auch kein großer Freund von solchen Geschichten). Auch hier zeigt sich dieses Problem:

Essen muss ich auch nicht mehr


Der Protagonist verspürt also keinen Hunger mehr. Das bedeutet, ein Teil seines Körpers, seine Verdauung, ist vom Zeitstopp betroffen. Wie kann es dann sein, dass er sich frei bewegen kann (=seine Beine benutzen) oder überhaupt denken kann (das Gehirn benötigt Zeit um Informationen zu verarbeiten)?

Dieser eine Max da


Da ich altersbedingt auch den ein oder anderen Ausdruck von Jugendlichen mitbekomme, kann ich bestätigen, solche Phrasen auf jeden Fall legitim sind. :P Man merkt, dass du kein "älterer Zeitgenosse" bist, der krampfhaft versucht, in Jugendsprache zu schreiben.

Ich kenne sonst kaum Wörter mit „Z“. Sonst fällt mir nur noch „Zaun“ ein [...] Aber als ich den Zündschlüssel


Hm... :mrgreen:

Wieso bin ich eigentlich der einzige, der nicht davon betroffen ist?


Aber er ist doch betroffen. Er hat schließlich keinen Hunger mehr.

Als ich mal vor den Augen meiner Eltern ein Chukalaka-Tanz auf dem Tisch getanzt habe


"Einen Chukalaka-Tanz" bitte :) Finde ich übrigens gut, dass du ein paar solcher Sachen erfindest. Passt zu einem jugendlichen Protagonisten. Allerdings verstehe ich nicht ganz, weshalb dort in Klammern steht, dass er ihn selbst erfunden hat. Es handelt sich doch um sein Tagebuch, oder? Dann müsste er als einziger Leser doch wissen, von was für einem Tanz er da spricht.
Ich hab dann ein paar schöne Spinnen in den Unkrauteimer getan


Hier könntest du beispielsweise schreiben, dass er ein paar Vogelspinnen (oder dergleichen) geholt hat. Lässt die Sache ein wenig glaubhafter erscheinen, gerade weil er sie aus der Zoohandlung mitnahm, und vor allem kann man sich die Geschichte etwas besser bildlich vorstellen. Details sind (bis zu einem gewissen Grad) immer eine gute Idee.

Wenn ich an die Zeit davor denke, wo alles noch normal war, dann höre ich immer das Wort „Skalpell“


Ich habe das Gefühl, als sollte der Grund für den Zeitstopp in diesem Satz liegen. Entweder bin ich gerade zu beschränkt oder es wird nicht wirklich deutlich, was du damit sagen willst. Hat er gerade eine Operation und träumt im Nakosezustand (geht das überhaupt? :P)? Wurde er getötet? Wie gesagt, kann auch an mir liegen.

Alles in allem eine schöne Idee und als Schreibübung gelungen, der Schreibstil ist sehr passend. Nur inhaltlich weist die Geschichte die genannten Mängel auf. Ich hoffe, ich konnte dir hiermit ein paar Denkanstöße liefern.

Viele Grüße,
Lindberg
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