[Liebe]Zu Grabe Getragen/ Teil 1

Liebe, Romantik, Sehnsucht

[Liebe]Zu Grabe Getragen/ Teil 1

Beitragvon BigWriter1998 » 23.03.2012, 19:18

Er ist aufgeprallt auf dem harten Boden der Ewigkeit
Der Druck der Realität hat ihn zersplittert
Er ist verloren gegangen im Sturm der Gedanken
Und gestorben im Labyrinth der Entscheidungen ...

Der Mann hob seine Pistole auf mich, grinste höhnisch und drückte ab.
Die Kugel kam mit einer Geschwindigkeit auf mich zugerast, wie ein Gepard auf eine Gazelle. Sie bohrte sich in meine Brust und zerfetzte mein Herz. Ich sackte zu Boden. Ich kniff meine Augen zu. Schmerz zerschmetterte mich. Ich begriff nicht mehr wer-, wo ich war und was passiert war. Ich sah nur noch Blut.


Die Kirchenglocken schallten durch Padua in Italien. Es war ein finsterer Morgen. Regen prasselte auf das kalte Pflaster. Schwarz gekleidete Leute gingen in Richtung Kirche. Die ganze Stadt versammelte sich dort. Der Pfarrer betrat nun auch das Gotteshaus. Er ging zum Altar. Dort angekommen erhob er seine raue Stimme.
"Liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen, dies ist wahrlich kein schöner Tag. Ein weiteres Mitglied unserer Gemeinde ist gestern verstorben..."
Vier Leute trugen einen mit Rosen beschmückten Sarg nach vorne. Wieder erhob der Pfarrer seine Stimme: "Warum? Wer kann unter unseres allen Vaters Himmel solch eine Tat begehen? Wer?"
Ein Räuspern ging durch die Runde.
"Wir wissen es nicht. Wir können nicht begreifen, das Gottes Geschöpfe zu solchen Taten fähig sind."
Clara schaute bedrückt zu ihrem Bruder Georg. Sie beide waren die Geschwister von Johanna gewesen. Jetzt war Johanna tot! Tränen flossen aus Claras Augen. Wer hätte ihrer Schwester je etwas antun können? Sie war doch so nett und hilfsbereit gewesen! Wer hätte ihr sie da je umbringen können?! Ein Stechen jagte durch Claras Kopf. Sie fühlte sich erschöpft an. Johannas Geist schwebte neben ihr. Das konnte sie spüren. Doch urplötzlich flüsterte ihr eine Stimme ohne Körper etwas in ihr Ohr. Claras Kopf bebte. Sie schloß die Augen und schlug den Kopf an die harte Kante ihres Stuhls an. Dann träumte sie lange, bis sie begriff was die Stimme ihr hatte sagen wollen.

So, das ist jetzt mal die erste Geschichte/ der erste Teil den ich veröffentlich habe. Ich hoffe auf ein paar gute und ehrliche Kommentare :)
Zuletzt geändert von BigWriter1998 am 24.03.2012, 11:50, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Zu Grabe Getragen

Beitragvon tinka » 23.03.2012, 22:22

Hallo BigWriter

Dein Text liest sich ehrlich gesagt eher wie ein Krimi oder so, bisher ist von einem Liebesroman noch keine Spur, aber da du schreibst, dass dies nur der erste Teil ist, gehe ich mal davon aus, deine Geschichte wird später noch in diese Richtung gehen.

BigWriter1998 hat geschrieben:Zersplittert worden durch den Druch der Realität

Druck
Das "worden" liest sich sehr umständlich. Spontan würde mir "Der Druck der Realität hat ihn zersplittert" einfallen, aber das passt wohl nicht so ganz zu den übrigen Zeilen.

BigWriter1998 hat geschrieben:Und gestorben im Labyrinth der Entscheidungen...

Entscheidungen ...
Das Leerzeichen sollte ein geschütztes sein. Zu finden irgendwo bei Word Sonderzeichen, bei anderen Schreibprogrammen kenne ich mich nicht aus.

BigWriter1998 hat geschrieben: Sie kam mit einer Geschwindigkeit auf mich gehetzt, wie ein Tiger auf eine Gazelle. Sie bohrte sich in meine Brust und berührte mein Herz.

Zweimal "Sie" am Satzanfang liest sich unschön.
Wenn schon, dann ist die Kugel doch eher der Gepard?
"Berührt" klingt nach einer Kugel auf Kuschelkurs. Sie bohrt sich in das Herz, zerfetzt es, bleibt stecken, streift es, weil sie knapp daran vorbeischießt, da gibt's viele andere Möglichkeiten.

BigWriter1998 hat geschrieben:Meine Augen kniffen sich zu.

Würde ich aktiv formulieren, "ich kniff meine Augen zu". Sonst klingt das, als würden sich die Körperteile deiner Erzählperson verselbständigen.

BigWriter1998 hat geschrieben:Schmerz zerschmetterte meine Gedanken.

"zerschmettern" gefällt mir nicht so, zumal Gedanken nichts Greifbares sind.

BigWriter1998 hat geschrieben:Ich begriff nicht mehr wer ich war, wo ich war und was passiert war. Ich sah nur noch Blut.

Wieder der Satzanfang. Die beiden "war" direkt hintereinander lesen sich auch unschön.

BigWriter1998 hat geschrieben:Die Kirchenglocken schallten durch Padua in Italien.

Ab hier frage ich mich, wer die Geschichte erzählt. Immer noch der-/dieselbe Ich-Erzähler/-in? Interessant, zumal der Text vermuten lässt, dass er/sie tot ist.
Oder wechselst du hier zu einem Er-/Sie-Erzähler? Würde ich insofern naheliegend finden, als dein Ich-Erzähler eigentlich nicht in die Köpfe anderer Personen hineinsehen kann. Jedoch würde ich den plötzlichen Perspektivenwechsel eher merkwürdig finden. Dann würde ich den vorherigen Abschnitt vielleicht kursiv setzen und den Einstieg in normaler Schrift schreiben.

BigWriter1998 hat geschrieben:Regen fiel auf den kalten Steinboden.

Drinnen oder wie?

BigWriter1998 hat geschrieben: Die ganze Stadt versammelte sich dort.

Das ganze Dorf glaube ich dir noch, aber keine ganze Stadt. a) hat eine Stadt in der Regel mehrere Kirchen, so viele Leute passen da gar nicht rein. b) sind selbst in einem historischen Setting kaum alle gläubig. Und c) ist die verstorbene Person sehr wahrscheinlich auch nicht in der ganzen Stadt bekannt?

BigWriter1998 hat geschrieben: Er marschierte zum Altar hinzu.

Er marschierte zum Altar.
Eventuell auch: "Er ging zum Altar." - Klingt ziemlich langweilig, mir fällt gerade kein passenderes Wort ein, marschieren wirkt etwas grob, passt nicht in eine Trauerstimmung.
Jedenfalls kannst du "hinzu" streichen. Die ganzen Trauergäste haben dort wenig zu suchen, die sollten auf ihren Bänken sitzen.

BigWriter1998 hat geschrieben:"WARUM?! Wer kann unter unseres allen Vaters Himmel solch eine Tat begehen? WER?"

Würde durch kursive Schrift betonen, Großbuchstaben lesen sich unschön.
Klingt für mich ehrlich gesagt nicht nach einem Pfarrer. Der würde eher versuchen, tröstende Worte für seine Gemeinde zu finden, Bibelstellen zitieren. Möglicherweise nimmt er diese Frage sogar als Einstiegsfrage, weil sich die meisten Gemeindemitglieder genau diese stellen werden, aber er würde auch versuchen, eine Antwort darauf zu geben.
Wenn du ihn nur die Frage stellen lässt, wirkt er verzweifelt - und ein bisschen so, als würdest du dich über ihn als Figur lustig machen.

BigWriter1998 hat geschrieben:Eiin Räuspern ging durch die Runde.

Ein

BigWriter1998 hat geschrieben:Auch Clara schaute bedrückt zu ihrem Bruder Georg.

Wieso "auch"? Es war von Räuspern die Rede, nicht von bedrückt schauen.

BigWriter1998 hat geschrieben:Jetzt war sie tod!

tot
Da Clara das Thema des vorherigen Satzes ist, bezeichnest du mit "sie" eigentlich Clara statt Johanna, was ja offensichtlich nicht gemeint ist. Würde ich umformulieren, vielleicht den Namen mit reinnehmen.

BigWriter1998 hat geschrieben: Sie schaute aus dem Kirchenfenster.

Sie heult, dann genießt sie eine Runde die Aussicht, dann denkt sie wieder an die Schwester. Hä? Würde ich komplett streichen, irrelevant.

BigWriter1998 hat geschrieben:Sie war doch so nett und lieb gewesen! Wer hätte ihr sie da je umbringen können?!

Diese "?!" stören mich allgemein etwas, würde ich sparsamer mit umgehen. Ist ja ein Roman, kein Chatdialog.
"lieb" und "nett" ist eigentlich dasselbe. Wenn du schon zwei Adjektive bringst, nutze sie doch, noch eine weitere Charaktereigenschaft der Schwester zu beleuchten.

BigWriter1998 hat geschrieben:Ein Stechen jagte durch Claras Kopf. Sie fühlte sich schwerelos an.

Bei einem Stechen fühle ich mich eher lahm und schwer - bestimmt nicht schwerelos. Kann ich mir zumindest schwer vorstellen.

BigWriter1998 hat geschrieben:Johannas Geist schwebte in der Luft neben ihr.

"neben ihr in der Luft"
Sonst klingt das so, als würde Johanna genau in dem "Luftteilchen" neben Clara schweben.

BigWriter1998 hat geschrieben:Sie schloß die Augen und kippte mit dem Kopf an die harte Kante ihres Stuhls.

Mit dem Körper kann man kippen, aber mit dem Kopf alleine klingt seltsam. "Schlug den Kopf an die harte Kante ihres Stuhls."

BigWriter1998 hat geschrieben:Dann träumte sie lange. Lange, bis sie begriff was die Stimme ihr hatte sagen wollen.

Ist die Doppelung von "lange" wirklich nötig?
Es macht deinen letzten Satz etwas langatmig, obwohl er eigentlich Potential hätte, Spannung zu erzeugen. Da frag ich mich nämlich, was die Stimme ihr sagen wollte.

Fazit:
Viel Kritik, aber irgendwie hast du mich nach den ersten paar Worten doch neugierig genug gemacht weiterzulesen :wink: :D
Im Moment kann ich noch nicht so viel zur Geschichte sagen, weil man nicht viel erfährt. Jemand - vermutlich Johanna? - wird angeschossen. Johanna ist tot, die Leute trauern, dann schwebt da ihr Geist herum. Ob du nun etwas in paranormaler Richtung schreibst oder ob Clara einfach nur etwas esotherisch angehaucht ist, sich das im Wesentlichen aber nur einbildet, ist noch offen.
Ich finde den Einstieg eigentlich ganz interessant, direkt aus der Perspektive von jemandem der angeschossen wird. Danach geht es etwas weniger ereignisreich weiter, aber das ist in Ordnung, zumal du in den letzten Sätzen ja Spannungspotential andeutest, das sich für eine Fortsetzung nutzen lässt :)
Im Grunde genommen gefallen mir deine knappen Sätze. Bei Schachtelsätzen verliert man als Leser ohnehin schnell den Überblick. Wenn mehrere Mini-Sätze direkt hintereinander folgen, wirkt es mir aber Stellenweise zu abgehackt. Dort darfst du gerne auch ein bisschen ausführlicher werden.

Ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen,
liebe Grüße

tinka
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Re: Zu Grabe Getragen

Beitragvon BigWriter1998 » 24.03.2012, 09:03

Hallo tinka :D

Erst einmal Vielen Dank für deine tollen Verbesserungen. Hat mir echt gut gefallen:)
Ja, bisher ist es wirklich eher Krimi, aber da die Fortsetzung etwas mit Liebe zu tun hat, welcher auch mit diesem Mord verbunden wird, habe ich es ersteinmal in dieses Forum getan :)

tinka hat geschrieben:
BigWriter1998 hat geschrieben:Die Kirchenglocken schallten durch Padua in Italien.
Ab hier frage ich mich, wer die Geschichte erzählt. Immer noch der-/dieselbe Ich-Erzähler/-in? Interessant, zumal der Text vermuten lässt, dass er/sie tot ist.
Oder wechselst du hier zu einem Er-/Sie-Erzähler? Würde ich insofern naheliegend finden, als dein Ich-Erzähler eigentlich nicht in die Köpfe anderer Personen hineinsehen kann. Jedoch würde ich den plötzlichen Perspektivenwechsel eher merkwürdig finden. Dann würde ich den vorherigen Abschnitt vielleicht kursiv setzen und den Einstieg in normaler Schrift schreiben.


Ja, ich wechsle in einen Er-/Sie-Erzähler.

tinka hat geschrieben:
BigWriter1998 hat geschrieben:Regen fiel auf den kalten Steinboden.

Drinnen oder wie?


Nein, ich meine draußen; ich könnte auch Pflaster schreiben.

Der Rest stimme ich dir zu 100% zu, schon lustig was man in einem Text alles für Fehler einbaut, wenn man nicht die richtigen Wörter wählt.

Vielen Dank noch mal,

BigWriter :D

PS: Meine Geschichte spiel so circa im 18. Jahrhundert:) Kann man da nicht auch Stadt verwenden? Da glaube ich waren ja alle gläubig.
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Re: Zu Grabe Getragen

Beitragvon tinka » 24.03.2012, 09:59

Freut mich, dass ich etwas helfen konnte :D

BigWriter1998 hat geschrieben:PS: Meine Geschichte spiel so circa im 18. Jahrhundert:) Kann man da nicht auch Stadt verwenden? Da glaube ich waren ja alle gläubig.

Musst du sogar, wenn du dich an Fakten halten willst, zumal du deine Geschichte in einer real exisitierenden Stadt spielen lässt. Laut flüchtiger Wikipedia-Recherche (Du findest bestimmt noch zuverlässigere Infos) galt das schon damals als Stadt. Der Punkt ist, dass ich dir nicht glaube, dass du die ganze Stadt in diese eine Kirche quetscht. Noch einmal Wiki, schon im 18. JH hatte die Stadt mehrere heute noch bekannte Kirchen, Kapellen, etc. Die baut man nicht nur, weil's schön ist, sondern weil die Stadt wächst und man die Kirchen braucht :wink:
Vielleicht kannst du "der ganze Stadtteil" daraus machen? :)
(Ungläubige gab es da bestimmt auch, nur galt man dann als Sonderling, während das heute eher ungekehrt ist, aber ich will mal nicht auf dem Detail herumhacken 8) )
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Re: Zu Grabe Getragen

Beitragvon BigWriter1998 » 24.03.2012, 10:23

Okay, dann werde ich wohl einmal etwas recherchieren müssen:) Auch, wie viele Kirchen etc. es schon damals gab. Ich kann auch die Namen der Kirche nennen oder ist das überflüssig? Denn wenn, gibt es mehrere Möglichkeiten zur Beschreibung.

LG,

BigWriter :)
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Re: Zu Grabe Getragen/ Teil 1

Beitragvon tinka » 24.03.2012, 13:56

Das ist Geschmackssache. Die einen mögen lieber reale Schauplätze, andere ziehen fiktive vor. Je nachdem was dir besser gefällt. Ich finde nur, wenn man die Dinge beim Namen nennt, sollte man sich auch an die realen Begebenheiten halten. Dazu gibt's Forum (nicht zu Kirchen im speziellen, aber die Verwendung von realen Schauplätzen oder auch die Nennung von Markennamen u.ä.) unter "kreatives Schreiben" schon mehrere Threads. Am besten schaust du dich dort einmal um.

Kannst mir gerne eine PN schicken, wenn du noch einen Teil veröffentlichst oder so :D
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Re: Zu Grabe Getragen/ Teil 1

Beitragvon Einsiedler » 15.02.2014, 12:09

Hallo BigWriter1998,
deine Geschichte gefällt mir, du hast einen, für mich ungewöhnlichen Schreibstil und genau das reizt mich, die Geschichte nicht nur zu lesen, sondern auch ein wenig positiv rumzumeckern.
Da ist, ich es nenne es so, der Vorspann. Nachdem ich ihn das 1. Mal las dachte ich er weist auf einen Mann hin, der eines gewaltsamen Todes gestorben ist. - In der Geschichte ist es aber eine Frau, die den Tod fand.
Nun könnte man daraus schließen, dass der Vorspann dem Mörder gilt, aber der lebt noch.
Die 3. Möglichkeit ist, den Sinn des Vorspanns erkennt man erst in einem der folgenden Teile.
Ansonsten finde ich ihn sehr gelungen, mir tut sich nur der Sinn im Zusammenhang mit der Geschicht noch nicht auf.
Der Mann hob seine Pistole auf mich, grinste höhnisch und drückte ab.
Hier weiß ich zwar was du meinst, würde es aber besser finden, wenn du schreibst:
Der Mann zielte mit seiner Pistole auf mich,
Die Kugel kam mit einer Geschwindigkeit auf mich zugerast, wie ein Gepard auf eine Gazelle.
Diesen Satz finde ich sehr umständlich geschrieben, mich stört auch das "kam mit einer Geschwindigkeit" da baut sich in mir kein Bild auf, auch nicht wenn du dann vom Gepard schreibst.
Mein Vorschlag wäre:
Die Kugel raste auf mich zu, wie der Gepard auf eine Gazelle.
Sie bohrte sich in meine Brust und zerfetzte mein Herz. Ich sackte zu Boden. Ich kniff meine Augen zu. Schmerz zerschmetterte mich. Ich begriff nicht mehr wer-, wo ich war und was passiert war. Ich sah nur noch Blut.
Die vielen "ichs" in dem kurzen Stück tun richtig weh, wie wäre es so:
Sie bohrte sich in meine Brust und zerfetzte mein Herz. Ich sackte zu Boden. Stechender Schmerz zog mir die Augen zu. Wo war ich? Was gescha da gerade? Nichts begiff ich mehr, sah nur noch Blut.
Ein weiteres Mitglied unserer Gemeinde ist gestern verstorben..."
Selbst wenn die Geschichte im 18. Jahrhundert spielt, ist es kaum möglich, dass die Beerdigung schon am nächsten Tag stattfand. Drei Tage solltes du schon verstreichen lassen.
Vier Leute trugen einen mit Rosen beschmückten Sarg nach vorne.
Diese Aussage würde ich etwas ausführlicher beschreiben. "beschmückten" klingt auch irgendwie komisch - "geschmückten" finde ich besser.
Vier schwarz gekleidete Männer trugen einen mit Rosen geschmückten Sarg durch den Mittelgang. Sie stellten ihn vor dem Altar ab, verbeugten sich stumm und verließen den Altarplatz, nachdem sie sich bekreuzigt hatten.
Wer hätte ihr sie da je umbringen können?!
Wolltest du hier möglicherweise noch etwas einfügen wie:
Wer hätte ihr soetwas antun und sie da je umbringen können?!
Johannas Geist schwebte neben ihr. Das konnte sie spüren.
Hierzu mein Vorschlag:
Sie spürte Johannas Geist neben sich.
Claras Kopf bebte. Sie schloß die Augen und schlug den Kopf an die harte Kante ihres Stuhls an.
Da ich nicht annehme, dass Clara absichtlich ihren Kopf an die Stuhlkante schlug, habe ich auch dazu einen Vorschlag. Auf eins will ich auch noch hinweisen, in Kirchen im 18. Jahrhundert waren eher Bänke als Stühle. Stühle findet man fast nur in Kirchen, die ab der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts gebaut oder im Inneren umgestaltet wurden.

Claras Kopf bebte. Sie schloß die Augen und schlug mit dem Kopf auf die harte Kante der Bank.

Soviel von mir.
Lieben Gruß vom Einsiedler

Die Schreibwerkstatt kommt wieder! Sag mir Bescheid!

habe Einfälle wie ein altes Haus, nur nicht so schnell.
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Re: Zu Grabe Getragen/ Teil 1

Beitragvon Jentrawa » 31.07.2014, 14:16

Lieber BigWriter1998,

so ganz habe ich noch nicht verstanden, weshalb du dieses Stück unter dem Genre "Liebe" eingeordnet hast.

Aber abgesehen davon finde ich die ersten beiden Absätze sehr gut gelungen.
Er ist aufgeprallt auf dem harten Boden der Ewigkeit
Der Druck der Realität hat ihn zersplittert
Er ist verloren gegangen im Sturm der Gedanken
Und gestorben im Labyrinth der Entscheidungen ...


Dieser Teil lädt absolut zum Weiterlesen und der direkte Einstieg mitten in der Handlung ist baut Spannung auf. Auch gefällt mit der plötzliche Wechsel der Perspektiven zwischen Absatz 1 und 2 positiv auf und erzeugt wiederum mehr Spannung.

Die Kirchenglocken schallten durch Padua in Italien. Es war ein finsterer Morgen. Regen prasselte auf das kalte Pflaster. Schwarz gekleidete Leute gingen in Richtung Kirche. Die ganze Stadt versammelte sich dort. Der Pfarrer betrat nun auch das Gotteshaus. Er ging zum Altar. Dort angekommen erhob er seine raue Stimme.
"Liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen, dies ist wahrlich kein schöner Tag. Ein weiteres Mitglied unserer Gemeinde ist gestern verstorben..."
Vier Leute trugen einen mit Rosen beschmückten Sarg nach vorne. Wieder erhob der Pfarrer seine Stimme: "Warum? Wer kann unter unseres allen Vaters Himmel solch eine Tat begehen? Wer?"
Ein Räuspern ging durch die Runde.
"Wir wissen es nicht. Wir können nicht begreifen, das Gottes Geschöpfe zu solchen Taten fähig sind."
Clara schaute bedrückt zu ihrem Bruder Georg. Sie beide waren die Geschwister von Johanna gewesen. Jetzt war Johanna tot! Tränen flossen aus Claras Augen. Wer hätte ihrer Schwester je etwas antun können? Sie war doch so nett und hilfsbereit gewesen! Wer hätte ihr sie da je umbringen können?! Ein Stechen jagte durch Claras Kopf. Sie fühlte sich erschöpft an. Johannas Geist schwebte neben ihr. Das konnte sie spüren. Doch urplötzlich flüsterte ihr eine Stimme ohne Körper etwas in ihr Ohr. Claras Kopf bebte. Sie schloß die Augen und schlug den Kopf an die harte Kante ihres Stuhls an. Dann träumte sie lange, bis sie begriff was die Stimme ihr hatte sagen wollen.


Die kurzen prägnanten Sätze sind sehr gut zum Aufbau von Spannung werden aber in diesem Absatz ein wenig übertreiben eingesetzt und gibt mir beim Lesen ein Gefühl von "Stress". Die wirkliche Geschichte geht dadurch ein wenig verloren...

Zusammengefasst kann ich nur sagen, dass ich deinen Still sehr spannend und interessant finde! :D

Grüße
Jentrawa
Die Existenz geht der Essenz voraus. Der Mensch existiert zuerst, begegnet sich, taucht in der Welt auf und definiert sich.
Jentrawa
 
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Re: Zu Grabe Getragen/ Teil 1

Beitragvon PixelKitten » 01.08.2014, 15:51

Hai BigWriter
Sehr interessanter Anfang (auch wenn du das ganze vermutlich besser bei Krimi hättest einordnen können).
Ein paar Dinge würde ich anders machen, ansonsten klingt das richtig gut:

Der Mann hob seine Pistole auf mich, grinste höhnisch und drückte ab.


Das "hob seine Pistole auf mich" ist ein wenig seltsam, da etwas auf jemanden heben eher nach Möbelrücken klingt. Alternativ könntest du etwa schreiben: "Der Mann richtete seine Pistole auf mich..."

Der Gepard und die "ich"s im nächsten Teil wurden schon angesprochen. Weiter mit dem folgenden Absatz also:

Die Kirchenglocken schallten durch Padua in Italien. Es war ein finsterer Morgen. Regen prasselte auf das kalte Pflaster. Schwarz gekleidete Leute gingen in Richtung Kirche. Die ganze Stadt versammelte sich dort. Der Pfarrer betrat nun auch das Gotteshaus. Er ging zum Altar. Dort angekommen erhob er seine raue Stimme.


Du benutzt hier eine spannungsaufbauende Schreibweise mit kurzen Sätzen, die möglicherweise nicht ganz passt (außer der Priester wird spontan von dem Mörder erschossen, was zwar die Geschichte zerstören würde, aber trotzdem witzig wäre). Du könntest den Teil nutzen um Die Stadt kurz zu beschreiben, oder die Prozession zur Kirche, da darf man ruhig langatmig werden.

Der Mittelteil ist solide, bis zu diesem Teil:

ann träumte sie lange, bis sie begriff was die Stimme ihr hatte sagen wollen.


Vielleicht übersehe ich da irgendetwas, aber ich habe keine Ahnung was dort passiert. Ist Clara in Ohnmacht gefallen, oder in eine Trance? Oder passiert das nach der Kirche? Schläft sie ein, oder beschreibt der Satz ihren Zustand in den nächsten Wochen? Das könnte man vielleicht klären, wahrscheinlich löst du das Rätsel aber selber mit dem nächsten Satz.

Ich hoffe das hilft dir,
Liebe Grüße
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