Zu klischeehafter Protagonist?

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Re: Zu klischeehafter Protagonist?

Beitragvon Maggi1417 » 09.01.2015, 22:13

Ich finde es immer noch nicht so überzeugend. Immer noch sehr oberflächlich. Er ist im Grunde charakterlich immer noch ein Gary Stu und ich hab selbst nach dem lesen dieses Charakterbogens (und den werden die Leser ja nicht zu sehen bekommen) keine wirkliche Vorstellung davon, wie er tickt, was ihn antreibt, was ihn quält, welche inneren Konflikte er austrägt.

Tipp 1: Man sollte Charaktereigenschaft niemals in Stärken und Schwächen unterteilen können. Wenn man das kann, hat man ein Problem. Charaktereigenschaften haben grundsätzlich immer positive und negative Seiten.
Tipp 2: Wenn du über seine Biographie nachdenkst, dann konzentriere dich auf prägende Ereignisse. Aus seiner Biographie sollte sich ergeben, warum er so ist wie er ist. Was hat ihn geformt?
Im Grunde hast du in deiner Biographie nur noch mal zusammengefasst, was du weiter oben schon geschrieben hast.
Tipp3: "einziger, nicht "einzigster". Sorry, musste sein.


Hast du dir die Artikel die ich gepostet habe, mal angeguckt? Wenn es dir zu aufwendig ist, kann ich dir auch (kurzgefasst) per PM erklären, was ungefähr drin steht. Schreib mir einfach, wenn du magst.
Oder soll ich das lieber hier posten, damit die anderen auch was davon haben?
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Re: Zu klischeehafter Protagonist?

Beitragvon Dale1999 » 09.01.2015, 22:35

Ich hatte noch keine Zeit mir den Link anzusehen, weil schule undso :)
Wäre sehr nett wenn du es kurz zusammenfassen würdest und lass die anderen ruhig was davon haben :)
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Re: Zu klischeehafter Protagonist?

Beitragvon Latika » 09.01.2015, 23:40

Es ist auf jeden Fall besser als die erste Version. Für meinen Geschmack noch immer nicht einzigartig genug. Ich mag eher Protagonisten, die ein besonders hervor stechendes Merkmal / Eigenschaft / Macke haben und sich ihre Geschichte / ihr Charakter darauf aufbaut, ansonsten "normal" genug sind, damit der Leser sich mit dem Prota identifizieren kann. Zum Beispiel: Harry Potters Narbe deutet auf seine Vergangenheit hin, die der Grund dafür ist, dass er bei Onkel und Tante wohnt und somit ein sehr neugieriger (weil sie ihm alles verbieten) und kleinlauter (weil sie ihm beigebracht haben nicht aufzufallen) Junge ist. Az aus "Die Welt in den Wolken" hat - anders wie all die anderen Mitmenschen - keine Flügel. Diese Macke verleiht ihm einen ruhigen, nachdenklichen Charakter (weil er Außenseiter ist) und die Möglichkeit für seine Regierung sich unter normale Menschen auf der Erde zu mischen. Und so weiter und sofort.

Verpasse also deinem Chara EIN ausgefallenes Merkmal / Eigenschaft / Macke. Die Charakterzüge kommen dann von alleine (Macke: keine Flügel, Charakter: introvertiert, weil Außenseiter) Die Geschichte ergibt sich dann auch von alleine. (Macke: Narbe, Geschichte: Harry = Zauberer, der gegen die Ursache seiner Narbe kämpfen muss) Also, das ist zumindest meine Taktik. Dem Prota nur ein paar belanglose Charakterzüge wie „schlau, höflich, lernt schnell, ...“ zu verpassen, finde ich lahm.
~ Ich bin nur ein großer Träumer, doch mit Träumen fängt es ~
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Re: Zu klischeehafter Protagonist?

Beitragvon Maggi1417 » 09.01.2015, 23:56

Okidoki.

Man kann das ganze von verschiedenen Seiten aufrollen. Vorwärts oder rückwärts, je nach dem, was man über die Figur schon so weiß.
Ich nehme jetzt mal das, was du schon hast und dann arbeite ich mich anhand dessen vor.
Folgende Fragen stehen dabei im Mittelpunkt:

Welche prägenden Ereignisse gibt es in seiner Vergangenheit? Insbesondere: Welche schmerzhaften Ereignisse? Welche Wunde?

Wie hat diese Verwundung das Denken und das Weltbild deiner Figur geprägt?

Welche schmerzhaften Emotionen sind mit dieser emotionalen Verwundung verbunden gewesen?

Welche Eigenschaften hat er entwickelt, um sich davor zu schützen diese schmerzhaften Emotionen noch einmal zu erleben?

Fangen wir hinten an. Du weißt, dass dein Theobald geschickt mit Menschen umgehen kann. Er weiß, wie man sie dazu bringt einen zu mögen und einem zu vertrauen und wenn es nötig wird, kann er sie auch in eine bestimmte Richtung manipulieren.

Die Frage lautet also: Warum hat er sich diese Eigenschaften zugelegt? Was versucht er damit zu vermeiden? Menschen manipulieren ist eine gewisse Form von Macht, als versucht er offenbar, das Gefühl von Machtlosigkeit zu vermeiden. Außerdem sichert es sich auf diese Art und Weise Freunde und Unterstützung. Vielleicht fürchtet er sich also davor, alleine gelassen zu werden und ohne Hilfe dazustehen.

Offensichtlich gab es also in Theobalds Vergangenheit Momente, in denen er sich alleine gelassen, hilflos und ausgeliefert vorkam. Was könnte ihm passiert sein? Das überlasse ich deiner Entscheidung, aber sagen wir mal, er wurde auf Grund seiner körperlichen Schwäche von seiner Umwelt als Spielball benutzt. Man hat ihm übel mitgespielt und niemand hat ihn davor beschützt.

Welche Lehre könnte er aus dieser schmerzhaften Erfahrung gezogen haben? Ich könnte mit vorstellen, dass er so etwas glaubt wie "Schein ist wichtiger als sein. Du musst den Leuten vorgaukeln, dass du der King bist, sonst machen sie mit dir, was sie wollen. Bloß keine Schwäche zeigen."

Theobald wird also vermutlich jemand sein, der seine Gefühle nicht offen zeigt, weil er Angst davor hat, das wieder jemand seine Schwäche ausnutzt. Also ein eher kontrollierte, förmlicher Typ. Ihm ist sehr wichtig, was andere Leute von ihm denken. Ansehen und Ruhm. Sein Image. Ein bisschen eitel. Er will gemocht werden, deshalb ist er großzügig und verlässlich. Er hat eine gute Beobachtungsgabe und auf sein Bauchgefühl kann er sich meistens verlassen. Er hat ein Talent dafür, Leuten zu schmeicheln und sie um den Finger zu wickeln. Wenn aber jemand seine Masche durchschauen, ist er verunsichert und zieht sich zurück. Manchmal schreibt er Gedichte. Ziemlich düstere Gedichte. Er verbrennt sie, bevor sie irgendjemand lesen kann. Muss ja niemand wissen, was in seinem Kopf vorgeht, wenn er Nachts alleine mit sich und seinen Gedanken ist. Er ist charismatisch, manchmal sogar richtig witzig. Er hat eine Leidenschaft für das Theaterspielen und er hat einen Schlag bei Frauen. Mit Beziehungen klappt es aber nicht so gut, weil er Schwierigkeiten hat, sich zu öffnen. Seine Freunde sagen über ihn "bei Theobald weiß man nie, was er wirklich denkt."

Erkennst du den Unterschied? Dieser Kerl dort oben ist nicht perfekt, kein Held, aber er ist um einiges lebendiger und interessanter, als "lernt schnell und mag den Duft von Kürbispastete" Theobald.

Im nächsten Schritt machen wir uns Gedanken, was Theobald will. Theobald will die perfekte Maske. Die Leute sollen nur sehen, was sie sehen sollen, nicht was wirklich da ist.
Aber was braucht Theobald? Er braucht jemandem, der ihm zeigt, dass es manchmal besser ist, ehrlich Schwäche zu zeigen, anstatt Stärke zu heucheln. Wer dieser jemand ist oder wie diese Lektion genau aussieht, kommt ganz auf deine Geschichte an.

Wichtig ist aber, dass du ihn zu Anfang scheitern lässt. Lass ihn mit seiner manipulativen Art auf die Fresse fliegen. Statt Freunde zu finden, macht er sich Feinde. Lass ihn sich in Lügen verstricken, aus denen er nicht mehr heraus kommt. Lass in die Konsequenzen spüren.

Ungefähr in der Mitte des Buches sollte ihm zu ersten Mal dämmern, dass das was er da macht, nicht unbedingt immer die beste Art ist Probleme zu lösen. Er sollte versuchen, etwas zu ändern, aber am Anfang klappt das nicht so gut. Er hat es immer so gemacht und kann so schnell nicht aus seiner Haut. Erst ganz am Ende gelingt es ihm, diesen Charakterfehler zu überwinden.

Das ist jetzt nur ein Beispiel. Du kannst natürlich auch einen ganz anderen Weg mit ihm gehen, aber
denke daran, dass dein Charakter organisch sein muss.
Wenn du einfach nur nach dem Zufallsprinzip irgendwelche Eigenschaften in einen Topf wirfst, wirkt der Charakter nicht glaubhaft, sondern künstlich, leblos, gezwungen.
Frage dich bei allem, was du dir überlegst immer a) warum ist er so und b) zu was führt es, dass er so ist?

Vergiss auch nicht, dass der externale Plot und die innere Entwicklung deines Charakters Hand ind Hand gehen und sich quasi spiegeln. Die Stärken und Schwächen müssen "spielentscheidend" sein, sie müssen enormen Einfluss auf den Plot haben, sonst kannst du sie dir auch sparen.
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Re: Zu klischeehafter Protagonist?

Beitragvon Dale1999 » 10.01.2015, 00:27

Ich danke dir, dass du dir die Mühe gemacht hast Maggi1417. Diese Tipps helfen mir unheimlich weiter. Als ich das gelesen habe, sind mir direkt ein paar Sachen eingefallen, die ich ihm verpassen werde. Wie wäre es z.B. wenn er in der Schule ein Außenseiter war und er deshalb im Unterricht seine Kameraden genau studieren konnte. So lernte er es, die Stärken und Schwächen der anderen zu erkennen und fing an, die Kameraden so zu manipulieren, dass sie ihn nichtmehr ausschließen. Diese Fähigkeit perfektionierte er mit der Zeit. Da er sich sein meistes Wissen ja eh über Bücher aneignet, müsste er im Unterricht nicht mal zuhören. :)

Auch dir danke ich Latika. Ich werde ihm eine Macke hinzufügen. Muss nur überlegen welche. Mal sehen wann ich den Charakter erneut so weit bearbeitet habe, dass sich eine weitere Meinung lohnt.

Ich wünsche einen schönen Abend
Dale

Edit:

Ja der Plot steht. Allerdings werde ich ihn wahrscheinlich noch ein wenig anpassen müssen, wenn ich den Prota noch viel "modifiziere".
Zuletzt geändert von Dale1999 am 10.01.2015, 11:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Zu klischeehafter Protagonist?

Beitragvon Maggi1417 » 10.01.2015, 01:01

wenn er in der Schule ein Außenseiter war und er deshalb im Unterricht seine Kameraden genau studieren konnte. So lernte er es, die Stärken und Schwächen der anderen zu erkennen und fing an, die Kameraden so zu manipulieren, dass sie ihn nichtmehr ausschließen. Diese Fähigkeit perfektionierte er mit der Zeit. Da er sich sein meistes Wissen ja eh über Bücher aneig

Klingt gut!
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