[Tragik][KG] Zu spät (AT)

Tragödien, Tragisches

[Tragik][KG] Zu spät (AT)

Beitragvon Zeltan » 30.07.2014, 14:53

Hi Leute, nachdem ich auf die Fingerübung Sterbeszene gestoßen bin, musste ich einfach diese Geschichte hier schreiben. Ich habe das Thema möglicherweise etwas verfehlt, doch ich wollte sie nicht einfach nur auf diese Sterbeszene beschränken. Der Titel passt leider auch nicht so hundertprozentig, darum belass ich es beim AT... Hoff sie gefällt euch. Würd mich über Kritik und Kommentare freuen :)

Zu spät (AT)
An einem Freitagnachmittag sollte ich meinen Bruder vom Fitnesstraining abholen. Damit er sich keine Sorgen machte, beeilte ich mich so schnell ich konnte. Eine viertel Stunde war noch übrig, eigentlich mehr als genug Zeit, doch irgendetwas sagte mir, dass ich die nicht wirklich hatte. Als ich beim Fitnessstudio ankam, musste ich feststellen, dass es das falsche Fitnessstudio war. Zumindest dachte ich das, nachdem ich an der Tür einen Zettel mit der Aufschrift „geschlossen“ hängen sah. Ich rief zur Sicherheit noch einmal meine Mutter an, um mich zu vergewissern, dass es das richtige Fitnessstudio war. Sie bestätigte, aber der Zettel irritierte auch sie. Also schlug sie vor, dass ich einfach zum nächstgelegenen gehen sollte. Dieser war mit der Bahn glücklicherweise auch in einer Minute erreichbar und ich machte mich auf den Weg dorthin. Angekommen bei dem anderen Fitnessstudio informierte ich mich beim Empfang, ob heute die Klasse meines Bruders zu Besuch da war. Die beiden Trainer hinter dem Pult hatten keine Ahnung wovon ich sprach und meinten, dass ich es beim anderen Fitnessstudio probieren sollte. Daraufhin erklärte ich ihnen die Situation in der ich mich befand. Die einzige Antwort die ich daraufhin bekam, war: „Es gibt da noch eins“ Doch wo genau sollte dieses „noch Eine“ sein? Ich hatte nicht die geringste Ahnung und die beiden offenbar auch nicht… Auf die Uhr starrend erkannte ich, dass mir nur noch 5 Minuten übrig geblieben waren. Die nächste Bahn zurück brauchte aber noch 10 Minuten. Zu spät! Also sputete ich los, in der Hoffnung rechtzeitig da zu sein. An der ursprünglichen Haltestelle angekommen senkte ich mein Tempo zu normaler Geschwindigkeit. Es war viel Verkehr, doch der Stau kam mir sehr gelegen, denn ich nutzte die Gelegenheit und überquerte die Straße.
–Schwarz… Alles um mich rum… Schwarz… –
„Hallo“… „Hallo, können Sie mich hören?“ vernehme ich eine Stimme. Das einzige woran ich in diesem Moment nur noch denken kann ist „Mein Bruder… Ich muss meinen Bruder abholen!“ Ich versuche alles um aufzustehen, doch werde auf den Boden gedrückt! Die Stimme sagt mir, dass ich schwer verletzt bin und nicht aufstehen sollte. Das einzige was mir nun in den Sinn kommt ist „Mein Handy… es ist in meiner linken Hosentasche… Rufen sie bei mir daheim an, hören Sie? DAHEIM!“
- Alles… Schwarz…-
Ich spüre wie ich gedanklich langsam abdrifte, als mir das Handy ans Ohr gehalten wird „Was ist passiert? Sie sagen du hattest einen Unfall“ höre ich die traurig klingende Stimme meiner Mutter. „Mama ich hatte einen Unfall“ sage ich ihr „Du musst meinen Bruder abholen, hörst du? Hohl ihn bitte ab, mir geht es gut!“ „Natürlich!“ Sagt sie den Tränen nahe. Ich lehne mich entspannt zurück, sofern man das in dieser Situation so sagen kann, und schalte ab.
- Werde hochgehoben… Auf etwas bequemes gelegt… Mein T-Shirt mit einer Schere aufgeschnitten… Verdammt… das war eins meiner liebsten… keine Ahnung was weiter geschieht... Liege auf einem Bett... werde in einen anderen Raum gerollt… Öffne meine Augen… Nicht mehr schwarz… -
Meine Familie befindet sich dort vor mir. Mein Bruder steht mit traurigem Gesicht am Ende meines Bettes. „Es ist meine Schuld…“ höre ich ihn sagen und antworte ihm: „Komm her kleiner.“ Er nähert sich und ich reiche ihm meine Hand. Er nimmt sie behutsam und muss fast weinen. „Es ist nicht deine Schuld! Wenn, dann ist es allein meine Schuld!“ Er sieht mich an, immer noch traurig, aber spürbar beruhigt. „Nun braucht er sein Gewissen nicht damit zu quälen“, denke ich mir, „sonst wäre sein Leben dahin.“ Ich lehne mich entspannt aufs Kissen zurück. Meine Mutter stellt mir noch eine Frage: „Können wir etwas für dich tun?“ „Ja, ruft meine Freunde an und sagt ihnen, dass ich heute nicht mehr kommen kann.“ Lächelnd atme ich noch einmal tief ein und wieder aus. Ein letztes Mal.
Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Wenn du also wenig schreiben aber viel erzählen willst, dann schreibe bildhaft. ;)
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Re: [KG] Zu spät (AT)

Beitragvon brehb » 30.07.2014, 16:49

Hallo Zeltan,

ich habe mich mit deinem Text beschäftigt. Meine Eindrücke:

Inhalt:
Ein/e Ich versucht, in Zeit seinen/ihren Bruder von Fittnessstudio abzuholen. Irgendwie findet er/sie das Studio nicht, beginnt zu rennen und verunfallt. Im Krankenhaus kann "Ich" dem Bruder noch versichern, dass er nicht Schuld sei und die Mutter bitten, die Freunde zu informieren. Dann stirbt "Ich".

Darüber kann man schreiben. Abgesehen davon, dass ein Ich-Erzähler nicht von seinem eigenen Tod schreiben kann.

Form:
Du schreibst ordentliches Deutsch, kämpfst nicht gegen RS, Grammatik oder Satzbau. Über die Interpunktion bei wörtlicher Rede könntest du dich schlau machen, da haperts. Mitunter ist dein Ausdruck etwas spröde oder (für eine KG) zu breit. Die Optik stimmt. Prima.

Ausführung:
Damit er sich keine Sorgen machte, beeilte ich mich so schnell ich konnte.

Da beginnt die Sprödheit/Breite. Sagen möchtest du, dass du dich beeilt hast, damit er nicht warten muss oder sich Sorgen macht. Es würde reichen zu schreiben: Ich beeilte mich oder ich machte, so schnell ich konnte. Beides zusammen klingt komisch.

Damit er nicht warten musste, oder sich Sorgen machte, beieilte ich mich.

Eine viertel Stunde war noch übrig, eigentlich mehr als genug Zeit, doch irgendetwas sagte mir, dass ich die nicht wirklich hatte

Natürlich kann man sagen, dass "noch Zeit übrig" sei. Aber es klingt hölzern (Und ist eine Passivform, genau das, was man in KGs nicht braucht)

Ich hatte noch eine viertel Stunde, eigentlich genug Zeit, doch irgendetwas sagte mir...

Als ich beim Fitnessstudio ankam, musste ich feststellen, dass es das falsche Fitnessstudio war. Zumindest dachte ich das, nachdem ich an der Tür einen Zettel mit der Aufschrift „geschlossen“ hängen sah.

Beim Fittnessstudio angekommen, hing dort an der Tür ein Zettel: "Geschlossen". Ich musste wohl falsch sein.

Ich rief zur Sicherheit noch einmal meine Mutter an, um mich zu vergewissern, dass es das richtige Fitnessstudio war. Sie bestätigte, aber der Zettel irritierte auch sie. Also schlug sie vor, dass ich einfach zum nächstgelegenen gehen sollte

Um sicher zu gehen, dass ich beim richtigen Studio war, rief ich nochmals meine Mutter an. Ich war richtig und auch sie hatte keine Erklärung für den Zettel. Also schickte sie mich einfach zum Nächtgelegenen.

Dieser war mit der Bahn glücklicherweise auch in einer Minute erreichbar und ich machte mich auf den Weg dorthin. Angekommen bei dem anderen Fitnessstudio informierte ich mich beim Empfang, ob heute die Klasse meines Bruders zu Besuch da war. Die beiden Trainer hinter dem Pult hatten keine Ahnung wovon ich sprach und meinten, dass ich es beim anderen Fitnessstudio probieren sollte. Daraufhin erklärte ich ihnen die Situation in der ich mich befand.

Das klingt alles ein wenig nach Litanei: Und dann, und dann, und dann. Sachlich mag das ok sein. Aber so erzeugst du keine Stimmung, es liest sich wie eine Gebrauchsanweisung.

Zum Glück brauchte ich bis dort hin nur eine Minute mit der Bahn. Ich fragte am Empfang nach der Klasse meines Bruders, aber die Trainer hinter dem Pult hatten keine Ahnung, wovon ich sprach. Ich solle es bei dem anderen Studio versuchen. Ich erklärte ihnen, dass ich gerade von dort käme.

Also sputete ich los,

Also spurtete ich los,...

An der ursprünglichen Haltestelle angekommen senkte ich mein Tempo zu normaler Geschwindigkeit.

An der ursprünglichen Haltestelle angekommen, lief ich wieder langsamer.

Dann wechselst du die Erzählzeit. Dramaturgisch ist das nett, aber in einer KG lasst man so etwas besser, die kennt (meist) nur eine Erzählzeit.

Ab hier wird der Text geschmeidiger, besser zu lesen. Dennoch:
Das einzige woran ich in diesem Moment nur noch denken kann...
und gleich darauf:
Das einzige was mir nun in den Sinn kommt ist...


Ich lehne mich entspannt zurück, sofern man das...
und gleich darauf:
Ich lehne mich entspannt aufs Kissen zurück.

solche Wiederholungen klingen ziemlich ausdrucksarm, meine ich

Meine Familie befindet sich dort vor mir

"Sich befinden" ist eines der schwächsten deutschen Verben, weil es nichts tut.

Meine Familie ist vollzählig versammelt.

„Komm her kleiner.“

Komm her Kleiner

„Nun braucht er sein Gewissen nicht damit zu quälen“, denke ich mir, „sonst wäre sein Leben dahin.

Wow! "sonst wäre sein Leben dahin!" denkt er/sie. Wirklich?

Meine Mutter stellt mir noch eine Frage: „Können wir etwas für dich tun?“

Es ist erzählökonomisch nicht sonderlich clever, zuerst zu schreiben, dass jemand eine Frage stellt und dann die Frage zu stellen. Einmal würde reichen.

Meine Mutter fragt: Können wir...?

Lächelnd atme ich noch einmal tief ein und wieder aus. Ein letztes Mal.

Das hatte ich schon moniert. Niemand kann über seinen letzten Atemzug berichten.

Fazit:
Das ist ordentlich geschrieben. Allerdings (zumindest im ersten Teil) recht holperig, meine ich. Da es stilistisch ein wenig nach und dann... und dann... und dann... angelegt ist (und mit der Unmöglichkeit des eigenen Todes endet) kann ich mich nicht recht für den Text begeistern. Betroffen bin ich nicht.

LG brehb
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Re: [KG] Zu spät (AT)

Beitragvon Zeltan » 31.07.2014, 08:04

@brehb:
Ich danke dir für die ehrliche und knallharte Kritik :)
Zugegeben, Ich-Form ist nicht ganz mein Stil... wollte es aber mal wieder ausprobieren. Und ja du hast natürlich recht, dass man seinen eigenen Tod eigentlich nicht beschreiben kann, aber da ich an ein Leben nach dem Tod glaube (zumindest find ich den Gedanken cool ^^), dachte ich mir, dass es evtl. passen könnte. Dass du nicht betroffen bist, sagt mir einiges über die Szene aus. Sie ist nicht lebhaft genug beschrieben... Ich warte mal noch den ein oder anderen Komentar ab, dann mach ich mich an einen Verbesserungsversuch ran ^^
Danke!
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Re: [KG] Zu spät (AT)

Beitragvon Aminata » 01.08.2014, 17:05

Hallo Zeltan,

eigentlich sollte ich selbst eine Geschichte schreiben, aber da mir partout nichts einfallen will, werde ich ein wenig an deiner herummäkeln :wink: . Ich hoffe, es ist etwas Brauchbares für dich dabei.

Also: In vielen Punkten schließe ich mich brehb an, in einem muss ich ihm aber widersprechen: Im Bereich Mystery/Fantasy ist es sehr wohl möglich, in der Ich-Form über seinen eigenen Tod zu schreiben. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob sich deine Geschichte dort einordnen läßt, dafür ist sie mir eigentlich etwas zu "bodenständig". Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Wirklich berührt hat mich dein Text ehrlich gesagt auch nicht, das liegt aber sicher nicht am Thema (das ich sehr interessant finde), sondern an der Umsetzung. Daran kann man arbeiten. Für meinen Geschmack beginnt die Geschichte schon etwas zu schleppend, deine Beschreibungen lesen sich stellenweise für mich wie ein belangloser Tagebucheintrag. Da ist doch viel mehr drin! Was mir spontan einfiele, um gleich am Anfang Interesse zu wecken: Du könntest damit beginnen, wie "du" im Krankenhaus auf deinen toten Körper hinunter siehst und dich fragst, wie das passieren konnte - dann lässt du alles wie einen Film vor deinem geistigen Auge ablaufen.

Deine Sätze sind recht lang, kürzere Sätze erzeugen ein höheres Tempo. Auf Überflüssiges solltest du ganz verzichten!

Zeltan hat geschrieben:Als ich beim Fitnessstudio ankam, musste ich feststellen, dass es das falsche Fitnessstudio war. Zumindest dachte ich das, nachdem ich an der Tür einen Zettel mit der Aufschrift „geschlossen“ hängen sah. Ich rief zur Sicherheit noch einmal meine Mutter an, um mich zu vergewissern, dass es das richtige Fitnessstudio war. Sie bestätigte, aber der Zettel irritierte auch sie. Also schlug sie vor, dass ich einfach zum nächstgelegenen gehen sollte. Dieser war mit der Bahn glücklicherweise auch in einer Minute erreichbar und ich machte mich auf den Weg dorthin. Angekommen bei dem anderen Fitnessstudio informierte ich mich beim Empfang, ob heute die Klasse meines Bruders zu Besuch da war. Die beiden Trainer hinter dem Pult hatten keine Ahnung wovon ich sprach und meinten, dass ich es beim anderen Fitnessstudio probieren sollte.
[/quote]

Ich erreichte das Fitnessstudio. An der Tür hing ein Zettel mit der Aufschrift "geschlossen", ich musste offenbar falsch sein. Ein Anruf bei meiner Mutter half mir nicht weiter, sie riet mir nur, es beim nächstgelegenen zu versuchen. Mit der Bahn war ich in einer Minute da. Ich erkundigte mich beim Empfang, ob die Klasse meines Bruders heute hier trainierte. Vergeblich, die Trainer konnten mir nicht weiterhelfen. Es sollte da noch ein anderes Studio geben...

Ist jetzt sicher auch nicht das Gelbe vom Ei, aber vielleicht siehst du, was ich meine.

Mir fehlen auch ein wenig die Gefühle, gerade weil du in der Ich-Form schreibst. Wie fühlst "du" dich, wenn du von einem Fitnessstudio ins andere hetzt und die Zeit immer knapper wird? Bist du den Tränen nahe, frustriert, wütend? Davon steht hier gar nichts. Auch der Schluss könnte etwas mehr Emotionen vertragen - ist man wirklich nur entspannt und lächelt, wenn man stirbt? Gibt es da nicht noch ein Aufbäumen, Zorn, Angst? Es mag wichtig sein, dem Bruder die Bürde der Schuld von den Schultern zu nehmen, aber da sind doch sicher noch mehr Gefühle im Spiel. Die letzte Szene ist gut geschrieben, mitreißend wirkt sie auf mich aber nicht.

Vielleicht wäre es hilfreich, die ganze Geschichte im Präsens zu schreiben statt nur den Schluss. Auch das könnte etwas mehr Tempo hinein bringen.

Fazit: Eine gute Idee, an der Umsetzung solltest du noch arbeiten. Aber das wird schon!

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiter helfen!

Liebe Grüsse,
Aminata
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Re: [KG] Zu spät (AT)

Beitragvon Zeltan » 04.08.2014, 10:44

Hi Aminata, vielen Dank für die Tipps. Ich werde sie mir zu herzen nehmen, danke! :D
In der Ich-Form schreibe ich generell selten, aber diese Geschichte wollte ich einfach so erzählen. brebh und du habt mit die Augen geöffnet, jetzt weiß ich zumindest, warum ich selbst nicht mit der Geschichte zufrieden war xD Da fehlt eben das Gefühl, die Emotion.
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