[Tragik]Zu spät

Tragödien, Tragisches

[Tragik]Zu spät

Beitragvon Träumerin25 » 03.01.2014, 19:34

Hallo ihr Lieben!

Diese Kurzgeschichte ist eigentlich mehr eine Szene. Habt ihr vielleicht noch irgendwelche Verbesserungsvorschläge? Bin immer offen für Kritik.
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EDIT: nach einer vollständigen Überarbeitung, ist eine neue Version entstanden, die ihr hier lesen könnt.

Zu spät

Wie erstarrt stehe ich da. Unter meinen Füßen spüre ich die scharfen Kanten der Gleisbettsteine. Ich bin unfähig, mich zu bewegen. Mein Blick ist starr nach vorn gerichtet. Da, er kommt. Ich sehe ihn. Er rast auf mich zu. Kommt immer näher. Die verrosteten Räder quietschen. Er versucht anzuhalten. Schafft es nicht. Kommt immer näher. Inzwischen kann ich den Mann erkennen, der ihn steuert. Er hat vor Schreck die Augen aufgerissen. Versucht panisch, ihn zum Halten zu bringen. Es nützt jedoch nichts. Gleich ist er da. Auf einmal schießt es mir durch den Kopf: Nein! Ich will nicht! Doch ich kann mich nicht bewegen. Bin erstarrt vor Angst. Die grellen Scheinwerfer brennen sich in mein Gedächtnis ein. Seine Warnsirene gellt durch die Nacht und ich höre nichts mehr außer dieses schrille Geräusch, das mich in den Wahnsinn treibt. Mit größter Mühe schaffe ich es, mir die Ohren zuzuhalten, doch es bringt nichts. Ich falle auf die Knie. Tränen strömen mir übers Gesicht. Plötzlich weiß ich, dass mich niemand mehr retten kann und auch nicht wird. Ich lege mich auf die vibrierenden Gleise und warte . . .
Zuletzt geändert von Träumerin25 am 14.07.2014, 08:10, insgesamt 7-mal geändert.
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Re: Zu spät

Beitragvon HoRu12 » 04.01.2014, 08:08

Hallo träumerin25.

Da liegst du Richtig. Die Geschichte ist auch für mich tatsächlich eine Szene aus einem Film wobei die Handlung im Film nicht über geschätzte drei Minuten hinausgeht. Sie ist in Filmen beliebtes Mittel um Dramatik aufzubauen und wird daher auch sehr oft verwendet. Besonders Frauen sprechen in dramatischen Liebesfilmen auf diese Szene emotional an wodurch sich die eine oder andere Träne nicht vermeiden lässt. Männer werde diese Szene eher bei Krimis und Agentenfilmen mögen.

Nun gut. Nach einer kurzen Abschweifung zum Film nun zu deiner Geschichte, ähh, zu deiner Szene. Du hast diese drei Minuten sehr gut in eine kurze Geschichte gepackt. Da du in der "Ich" Form geschrieben hast, sah ich mich sofort auf die Gleise versetzt und befürchtete, der Zug würde mich überfahren. Gut gemacht. Die Änderungen was ich Vorschlage ist meine gefühlte Meinung und muss sich nicht mit Meinungen anderer Teilnehmern decken. Daher zählt immer was "du" selbst fühlst und nicht was andere sagen. Die Meinung anderer sollte man immer als Vorschläge und Tipps ansehen. Und sie sollten Ansporn zum weiteren Schreiben geben. Man schreibt ja nicht für die anderen, immer nur für sich. Nur so kann das tiefe innere Gefühl in der Geschichte ehrlich und authentisch zum Ausdruck kommen. Aber das ist eigentlich eh klar.

Du schreibst: Ich stehe da. Wie erstarrt.

Es klingt fliesender wenn du vielleicht, "Wie erstarrt stehe ich da." schreiben würdest.

Du schreibst:Unter mir das knirschende Geräusch von Kieselsteinen.

Unter Kieselsteine stelle ich mir kleine Steinchen von einen Zentimeter Durchmesser vor, was ja den Steinen bei den Gleisen nicht entspricht. Gibt es dazu keine andere Bezeichnung? Eventuell "Bruchsteine" oder einfach nur "Steine".

Du schreibst: Ich kann nicht weg.

"Bin nicht fähig, mich zu bewegen." fände ich hier besser.

Du schreibst: Da kommt er.

Mir würde besser gefallen, "Da, er kommt."

Du schreibst: Ich höre das Quietschen der verrosteten Räder...

Besser, "...Quietschen verrosteter Räder, als..."

Du schreibst: Er reißt vor Schreck die Augen auf. Versucht panisch, ihn zum Halten zu bringen.

Besser, "Mit weit aufgerissenen Augen versucht er ihn zum stehen zu bringen."

"es" hinzufügen: Auf einmal schießt es mir durch den Kopf:
"Jetzt ist er da." würde ich weglassen.
"Grelle Scheinwerfer blenden mich.", statt "Seine grellen Scheinw..."
Letzter Satz: "Meine Schreie verstummen apruppt."


Ich hoffe, du kannst mit meiner Kritik etwas anfangen. Ich finde, es ist ein sehr guter, emotional bewegender und spannender "Achtzeiler".

Alles Gute.
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Re: Zu spät

Beitragvon Träumerin25 » 07.01.2014, 22:24

Hallo HoRu12!

Vielen, vielen Dank für dein Kommentar! Das ist mein Erstlingswerk hier und da freu ich mich natürlich RIESIG über jede Antwort. :flowers:

Eigentlich hast du Recht. Mit deinen Vorschlägen würde die Szene ( :P ) irgendwie flüssiger klingen. Allerdings wollte ich mit den abhackten Sätzen die Dramatik und Angst dieser Person hervorheben. Mal sehen, falls es noch mehr Kommentare geben sollte, kann ich diese ja mit deinem vergleichen und wenn die anderen mit dir übereinstimmen, scheint an deiner Theorie was dran zu sein. Ist natürlich nicht negativ gemeint, aber in mir tobt grad so ein Wettstreit: Dramatik vs. flüssiges Lesen. Bin mal gespannt, welche Seite den Kampf gewinnt. :weightlifting:
Die Vorschläge in deinem letzten Absatz klingen aber ziemlich einleuchtend. Ich glaube, die werde ich gleich ändern. :pc:

Noch mal ein großes DANKESCHÖN und noch einen schönen Abend!
Lg Träumerin25
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Re: Zu spät

Beitragvon Lysien » 10.01.2014, 00:24

Hallo Träumerin25!

Bei den Kieselsteinen stimme ich komplett mit HoRu12 überein.

Träumerin25 hat geschrieben: Er reißt vor Schreck die Augen auf.


Hier würde ich stattdessen schreiben: Er hat die Augen vor Schreck weit aufgerissen. Denn der Mann versucht ja schon vorher zu bremsen und sonst hat es den Eindruck, als ob er erst jetzt so richtig erschrocken ist.

Den ersten Satz würde ich ebenfalls so abändern, wie HoRu12 das vorgeschlagen hat, weil mir dieses "Ich stehe da." nicht sonderlich gut gefällt.

Träumerin25 hat geschrieben:Ich kann nicht weg.


Hier könntest du noch irgendwas dranhängen, was erklärt, warum sie nicht weg kann. Zum Beispiel: "Ich kann nicht weg. Habe zu viel Angst." Zugegeben nicht der beste Satz, aber das kannst du ja machen, wie du willst ;) Vielleicht auch: "Ich kann nicht weg. Unfähig meinen Körper zu steuern/ unfähig zu reagieren" so was eben. Oh, ich sehe gerade, auch das hat HoRu12 bereits geschrieben. :oops:

Träumerin25 hat geschrieben: Ich höre das Quietschen der verrosteten Räder, als er versucht zu bremsen.


Weil du ja ein Fan kurzer Sätze bist, finde ich hier würde auch passen, wenn du schreibst: "Die verrosteten Räder quietschen. Er versucht zu bremsen. Schafft es nicht." Du hast nämlich ziemlich oft ein ich am Satzanfang.

Träumerin25 hat geschrieben:Rast immer noch auf mich zu.


Den Satz würde ich ganz weglassen. Es klingt so nach: "Wann ist er denn endlich da?" Du könntest direkt mit dem nächsten weiter machen.


An sich aber interessant und auch gut geschrieben. Vielleicht würde ich noch irgendwo erwähnen, dass es sich um einen Zug oder so handelt. Aber das erklärt sich ja meistens im Kontext, wo die Szene auftauchen soll.

Ich hoffe ich konnte dir helfen.

LG Lysien
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Re: Zu spät

Beitragvon Zeltan » 13.01.2014, 23:12

Hallo Träumerin25, ja deine Geschichte klingt auch wie eine Szene. ^^ Finde sie in der Form auch ziemlich gut. Es wurde schon einiges gesagt, daher gehe ich nur auf zwei Stellen ein, die du evtl. verbessern könntest.
Inzwischen kann ich den Mann erkennen, der ihn steuert. Er reißt vor Schreck die Augen auf.

Ein paar Zeilen davor, hast du bereits geschrieben, dass der Zug bremst. Aus diesem Grund finde ich den zweiten Satz eher unpassend, da er seine Augen vermutlich schon vorher aufgerissen hat, als dein Prota ihn noch nicht sehen konnte. Aber weglassen solltest du ihn nicht, formulier ihn lieber etwas um, z.B. erkennt dein Prota seinen panischen Blick.
Er hupt. Doch ich kann nicht weg. Ich schreie.

Den letzten Satz solltest du weglassen. Dein Prota ist derart erstarrt vor Angst, dass er sich nicht einmal mehr bewegen kann, daher erscheint es mir unlogisch, dass er schreien kann. Außerdem finde ich, dass "Doch ich kann nicht weg" einen weitaus besseren Schlusssatz abgeben würde. ;)
Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Wenn du also wenig schreiben aber viel erzählen willst, dann schreibe bildhaft. ;)
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Re: Zu spät

Beitragvon Träumerin25 » 18.01.2014, 00:07

Hallo ihr Lieben! :beckon:

Vielen, vielen Dank für eure genialen Kommentare! Hab sie gleich mal umgesetzt. (naja gut, eigentlich ist fast eine ganze Woche vergangen, ohne dass ich etwas an der Geschichte verändert habe, aber das ist ja nicht so wichtig :twiddlethumbs: :-P ) Eigentlich hab ich alles so übernommen, wie ihr es mir vorgeschlagen habt, da mir das alles sehr logisch erschien. Ich glaube, bloß ein oder zweimal habe ich ein bisschen abgewandelt, aber ansonsten habt ihr einwandfreie Arbeit geleistet. :XD: :2thumbs:

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Re: Zu spät

Beitragvon Feindesland » 18.01.2014, 20:22

Dein Text suggeriert, dass eine Person auf den Gleisen steht. Warum klackern die Gleisbettsteine? Ich habe mal als Kind Pfennigstücke auf die Gleise gelegt um zu sehen was passiert (Nicht nachmachen. Ist eine ziemlich blöde Idee). Als ich auf den Zug gewartet habe, habe ich mein Ohr auf die Schienen gelegt. Lange bevor der Zug kam, habe ich ein Rauschen gehört. Irgendwann konnte ich das Rauschen auch hören ohne mein Ohr an die Schienen zu legen. Geklackert hat da nichts.

»Da, er kommt«. Das ließt sich für mich nicht so flüssig. Beim ersten lesen habe ich den Satz Überhautt nicht verstanden. Vielleicht besser: Da! Er kommt.

Warum sind die Räder verrostet? Ist das ein indischer Zug? :D

Da dich die Scheinwerfer blenden, ist es nicht logisch, das du die Augen des Zugführeres erkennen, kannst.

Du bezeichnest den Zug als »er«. Dann darfst du aber nicht schreiben: »Er versucht zu bremsen.« Denn der Zug denkt nicht und bremst nicht von alleine. Hier liegt eines der Hauptprobleme deiner Szene. Sowohl der Zug als auch der Zugführer werden mit »er« bezeichnet. Das verwirrt. Wenn da nämlich steht: »Er hupt.« Dann ist nicht klar, ob der Zugführer die Hupe betätigt, oder ob der Zug selber hupt.
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Re: Zu spät

Beitragvon Zotto » 22.01.2014, 22:52

Das ist doch eine sehr interessante Geschichte. Sie hat mich vor allem durch ihre vielen möglichen Interpretationsmöglichkeiten beeindruckt. Die gewählte Ich-Perspektive gibt treffend die verwirrte Konstitution der Selbstmörderin wieder. Ist es ein Selbstmord? Auch das ist vielleicht offener, als man zunächst denken mag. Es hat viel traumhaftes.

Unter meinen Füßen spüre ich die scharfen Kanten der Gleisbettsteine.

Besonders dieser Satz hat mich angeregt. Kann man unter den Schuhen die scharfen Steine spüren? Ist das ein Anzeichen ihrer Übersensibilität, die in dieser Situation aufblitzt und sie vielleicht schon vorher vor große Probleme stellte? Ist das ein Wink der Autorin, dass es alles ein grausamer Traum ist? Oder das Simpelste, sie ist barfuß. In dem Satz steckt Phantasie und Kraft. Ich mag ihn.

Auf einmal schießt es mir durch den Kopf: Nein! Ich will nicht! Doch ich kann mich nicht bewegen. Bin erstarrt vor Angst. Grelle Scheinwerfer blenden mich. Er hupt. Doch ich kann nicht weg


Die letzte Reue vor dem Tod? Ein gut gewählter Twist in der kurzen Episode. Er verdeutlicht die Zerrissenheit depressiver Personen. Was denkt man in den letzten Sekunden seines Lebens? Das ist doch eine interessante Variante, die hier angeboten wird.

Jetzt zu Vorschlägen; du hast eine sehr starke Innenperspektive gewählt. Das ist auch der lesenswerte Kniff deiner Erzählung. Vielleicht kannst du es hier noch eine Stufe weitertreiben. Die einleitenden Sätze:
Auf einmal schießt es mir durch den Kopf
Ich bin unfähig, mich zu bewegen.

Kannst du, wenn du dich z.B. enger an die Form eines inneren Monologes anlehnst, anders pointieren, die Perspektive noch mehr zuspitzen.

Alles Gute :)
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Re: Zu spät

Beitragvon Medusa » 26.01.2014, 18:26

Hallo Träumerin25,

glückwunsch zu deinem Erstlingswerk, das ich, besonders gemessen an deinem zarten Alter, nicht schlecht finde. Ich habe auch einige Verbesserungsvorschäge. Zum einen fiel es mir zu Beginn schwer in die Geschichte einzusteigen und ich musste den Beginn zweimal lesen um ein Gefühl dafür zu bekommen. Ich denke dies liegt vor allem an dem ersten Satz "Wie erstarrt stehe ich da." Als Einstiegssatz finde ich ihn unpassend und würde diesem Satz noch einen anderen voransetzen, der sich auf die Gefühlswelt des Protagonisten bezieht. Dabei musst du nicht ausschweifend die genaue Lage und den Grund erköären, warum der Protagonist sich dort befindet, aber ich finde es immer interessant, kleine Häppchen der Gefühlswelt des Protagonisten zu präsentieren um den Leser neugierig zu machen. Hierbei handelt es sich jedoch um meine Meinung, wenn du damit nicht anfangen kannst, würde ich den ersten Satz jedoch soweit verändern, dass er etwas aussagekräftiger ist, wie z.B. "Wie erstarrt blicke ich dem grellen Lixht entgegen, das sich immer schneller auf mich zubewegt."
Vieles wurde bereits von den anderen gesagt, wozu ich nichts mehr hinzuzufügen habe. Für mich persönlich ist die Geschichte nur etwas kurz und ich würde ihr etwas mehr Raum geben und die Spannung erst langsamer aufbauen, damit auch der Beginn verständlicher wird. Es wäre interessant mehr über den Protagonisten zu erfahren, bis zu dem Moment wo er beschließt "Nein! Ich will nicht!" wissen wir nichts über sein Innenleben. Es wäre interessant, das Zögern und die schleichende Angst mit dem Herannahen des Zuges zu steigern.
Ich hoffe, das hat sich nicht zu negativ angehört, denn ansonsten gefällt mir die Idee ganz gut, bleib beim Schreiben. Mein Bruder ist in deinem Alter und ich könnte mir in 100 Jahren nicht vorstellen, dass er so etwas zustande bringt :D
LG
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Re: Zu spät

Beitragvon schreibgeist » 08.02.2014, 22:31

Hallo Träumerin :-)

Das ist wirklich traurig, deine Kurzgeschichte. Obwohl, es ist für meinen Geschmack auch für eine Kurzgeschichte zu kurz. Es ist mehr eine Art Bestandsaufnahme der Gefühle eines Menschen, der sich umbringen will. Auch diese Form der Lyrik soll erlaubt sein, aber vielleicht ein paar Absätze zusätzlich. Wie ist es zu der Situation gekommen? Und wer steuert den Zug?

Träumerin25 hat geschrieben:Inzwischen kann ich den Mann erkennen, der ihn steuert. Er hat vor Schreck die Augen aufgerissen.

Damit bringst du etwas zur Sprache, das meist nicht bedacht wird. jemand will sich umbringen, stellt sich einem Zug oder einer S-Bahn entgegen, und verschwendet keinen Gedanken daran, dass der Zugsführer für sein Leben gezeichnet sein wird. Was muß es für ein Gefühl sein, einen Menschen zu überfahren, am Steuer zu sitzen und doch vollkommen hilflos zu sein, weil die Bremsen den Zug nun einmal nicht sofort zum Halt bringen können?

Du kannst dazu viel mehr schreiben, und ich wünsche dir alles Gute dazu. Diese Szene schreit geradezu nach einer Geschichte, die erzählt, warum es überhaupt dazu gekommen ist.

Noch eine kleine Anmerkung: "Er hupt" ist sehr minimalistisch. Wie wäre es mit:
Nein! Ich will nicht! Doch ich bin erstarrt vor Angst. Grelle Scheinwerfer blenden mich und die Warnsirene erfüllt die Nacht. Doch ich kann mich nicht bewegen.
LG, M.
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Re: Zu spät

Beitragvon Träumerin25 » 06.03.2014, 22:08

Hallo Schreibgeist :ghost: (tut mir leid, das musste jetzt einfach sein :mrgreen:)

Vielen Dank für deine Antwort.
Ich finde es toll, dass du so viel in die paar Sätze hineininterpretierst, wo ich das eigentlich gar nicht beabsichtigt habe :D Aber so wie du die Situation des Bahnfahrers beschreibst, könnte es tatsächlich sein. Aber ich möchte die "Geschichte" so kurz und unerklärt lassen, wie sie ist, da sie (wie ich auch aus einigen anderen Antworten herauslesen kann) zum Nachdenken und Interpretieren anregt. Und ich möchte auch nicht, so wie Medusa es vorgeschlagen hat, den Anfang verlängern, da ich dem Text sonst, mMn, die Würze der Kürze nehmen würde. :XD:
@zotto: auch dir gebührt ein großer Dank, dass du dir so viel Gedanken über meinen Text gemacht hast. Mit deiner Antwort bestätigt sich nur mein Beschluss, die "Geschichte" so zu lassen, wie sie ist. Also . . . naja . . . sagen wir es mal so: Diese Szene werde ich so lassen, aber vielleicht schreibe ich später dazu noch mal eine extra Kurzgeschichte (die darf natürlich ein bisschen länger sein ;)).
Ach und bei deinen Verbesserungsvorschlägen, werde ich mal versuchen, ein bisschen "Show, don't tell" anzuwenden. Aber natürlich nicht zu viel ;)

Lg Träumerin25

Edit: @zotto: Ich habe gerade versucht, die Szene zu bearbeiten, aber es ist leider nur ein "Show" für deinen zweiten Verbesserungsvorschlag herausgekommen. Vielleicht kommen mir ja später noch ein paar Ideen, wenn ich wieder etwas mehr Abstand zum Text gewonnen habe. Fürs erste hoffe ich aber, dass das "Show" so in etwa deinen Vorstellungen entspricht. :)
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Re: Zu spät

Beitragvon Basschihan » 17.03.2014, 16:42

Hallo Träumerin25,
deine Geschichte gefällt mir! Lass mich versuchen sie zu interpretieren. Die/Der ErzählerIn (ich gehe von einer weiblichen Hauptfigur aus) scheint mir sehr verzweifelt! Sehe ich das richtig, dass sie im Grunde genommen, das Leben schon aufgegeben hat, obwohl sie beteuert nicht von dem Zug erfasst werden zu wollen!?
Auf einmal schießt es mir durch den Kopf: Nein! Ich will nicht!

Ihre einzige Hoffnung, ist die Hoffnung auf Rettung durch jemand Drittes, wobei sie selbst diese gegen Ende verwirft.
Plötzlich weiß ich, dass mich niemand mehr retten kann und auch nicht wird.

Auf die eigenen Kräfte scheint sie gar nicht mehr zu vertrauen. Sie hat zwar offensichtlich noch Zeit mehrere Handlungen auszuführen (sich an die Ohren greifen, hinknien und gar zu warten), aber wie der Titel schon sagt, ist sie der Auffassung für ein Ausweichen sei es zu spät, und von diesem Urteil möchte sie sich gar nicht abbringen lassen. Einer klaren Sicht auf die Dinge verweigert sie sich zwanghaft. Der Hoffnung auf Rettung weicht schließlich der Wille zu sterben.

Eine kleine Ungereimtheit ist mir dennoch aufgefallen:
Wie erstarrt stehe ich da. Unter meinen Füßen spüre ich die scharfen Kanten der Gleisbettsteine. Ich bin unfähig, mich zu bewegen. Mein Blick ist starr nach vorn gerichtet. Da, er kommt. Ich sehe ihn. Er rast auf mich zu. Kommt immer näher. Die verrosteten Räder quietschen. Er versucht zu bremsen. Schafft es nicht. Kommt immer näher. Inzwischen kann ich den Mann erkennen, der ihn steuert. Er hat vor Schreck die Augen aufgerissen. Versucht panisch, ihn zum Halten zu bringen. Es nützt jedoch nichts. Gleich ist er da.


Hast du hier bewusst auf die Nennung des Zuges, einer Bahn etc. verzichtet. Mir wird nämlich nicht ganz klar was hier auf mich zukommt, also was der genannte Mann da steuert. Immer ist nur von "ihm" die Rede. Außerdem, gelingt es dem Schaffner offenbar doch den Zug zu bremsen, sonst würden seine Räder nicht quietschen! Augenscheinlich ist die Geschwindigkeit nur so hoch, dass der Zug aller Voraussicht nach nicht mehr rechtzeitig zum Halten kommen kann. Ich würde als schreiben: "Er versucht zu bremsen. Zu schwach!", oder so ähnlich.

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Re: Zu spät

Beitragvon Träumerin25 » 17.03.2014, 18:25

Hallo Basschihan!

Danke für deine Interpretation. Sie gefällt mir! :D Obwohl ich das gar nicht so wirklich beabsichtigt habe.
Deinen Verbesserungsvorschlag finde ich gut. Ist mir vorher gar nicht aufgefallen, dass das etwas unlogisch ist. Ich hab das aber gleich mal geändert, allerdings etwas anders, als du vorgeschlagen hast. Aber ich denke, das ist okay, denn es kommt ja schließlich auf den Inhalt an. :D

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Re: Zu spät

Beitragvon HappyGirl » 18.03.2014, 17:42

Hallöle :)

nun auch ein paar Worte von mir ;)

Den Titel finde ich ziemlich passend und noch dazu erweckt er sehr viel Aufmerksamkeit! Das finde ich super. Er macht Lust, die Geschichte zu lesen, verrät aber nicht zu viel.

Zu dem Inhalt und der Form kann ich den anderen nicht mehr viel hinzufügen. Ich finde, dir ist die Szene gut gelungen.

Die kurzen Sätze unterstreichen hier, das aufgewühlte Gefühl des lyrischen Ichs, das gefällt mir sehr.
Die verrosteten Räder quietschen. Er versucht anzuhalten. Schafft es nicht. Kommt immer näher.

Diese Stelle finde ich persönlich jedoch etwas zu abgehackt, wodurch ich leicht ins Stolpern geraten bin. Vielleicht kannst du 2 der kurzen Sätze verbinden, zum Beispiel: Er versucht anzuhalten, schafft es jedoch nicht. Oder statt dem "jedoch" ein "aber" oder so.

Die grellen Scheinwerfer brennen sich in mein Gedächtnis ein.

Diesen Satz ist mir persönlich besonders aufgefallen und finde ihn sehr, sehr gut gelungen!!! *Daumen hoch*

Plötzlich weiß ich, dass mich niemand mehr retten kann und auch nicht wird.

Das "und auch nicht wird" hat mich ins stolpern gebracht. Vielleicht formolierst du es lieber so: Plötzlich weiß ich, dass mich niemand mehr retten kann und wird.

An sich, aber eine gelungene Szene meiner Meinung nach. Weiter so :)
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Re: Zu spät

Beitragvon Maya234 » 22.03.2014, 00:16

Liebe Träumerin24,

Auch von mir Herzlichen Glückwunsch zu deinem Erstlingswerk!
Mir gefällt es sehr gut, wie du durch kurze Sätze Spannung erzeugst. Auf mich wirkte dadurch die Gefahr reeler und ich konnte mich außerdem besser in die Geschichte (oder Szene :D ) hineinversetzen.
Besonders gut gefallen hat mir außerdem die Stelle, in der dem lyrischen Ich klar wird, das es nicht sterben will.
Dadurch wurde der Zwiespalt gut beschrieben, den ein Mensch vielleicht kurz vor seinem Tod empfindet.
Diese Stelle regt also auf jedenfall zum nachdenken an und die Szene wird dadurch um einiges dramatischer.
Der Satz "Die grellen Scheinwerfer brennen sich in mein Gedächtnis ein." ,hat mich beim lesen etwas gestört, da ich mich gefragt habe, wie sich etwas ins Gedächtnis einbrennen kann, wenn die Person sowieso kurz vor ihrem Tod steht. Für mich ist dieses "ins Gedächtnis einbrennen" eher etwas, das Jemand über einen längeren Zeitraum nicht vergessen kann und eine Erinnerung (z.B an etwas traumatisches) einfach nicht mehr los wird. Da ich mir darüber beim lesen Gedanken gemacht habe wurde mein Lesefluss etwas unterbrochen.
Der Satz "Seine Warnsirene gellt durch die Nacht und ich höre nichts mehr außer dieses schrille Geräusch (...)" gefällt mir sehr gut, da diese Beschreibung der Sirene eine unangenehme Atmosphäre schafft. Ich habe mir beim lesen einen sehr hohen und schrillen Ton vorgestellt.
Was mich ein bisschen skeptisch gemacht hat, war der Schluss. Für mich erscheint er nicht ganz logisch.
Mir kam die Frage auf, warum das lyrische Ich nicht mehr gerettet werden kann, wenn doch noch genug Zeit bleibt, sich auf die Gleise zu legen.

Insgesamt hat mir deine Szene jedoch sehr gut gefallen, da ich als Leser direkt angefangen habe darüber nachzudenken und wissen wollte, wie die Hauptfigur in diese Situation kam.

Lg, Maya234
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