Ich habe noch einmal die gleiche Fingerübung gemacht, nur habe ich sie dieses mal anders interpretiert. Gleicht der erste Text mehr meinem Erzählstiel wie ich ihn vor wenigen Jahren hatte, ist dieser eher in der Art geschrieben, die ich heute bevorzuge. Zufor sei aber gesagt, dass er vom Inhalt her nicht mit dem vorherigem text zu vergleichen ist und ihr hier auf nicht ganz so schöne stellen treffen werdet. Also, ich wünsche euch viel spaß mit:
Zukunftstraum
Ich wachte auf. Ich brauchte einige Zeit um zu verstehen, wo ich war. Ich befand mich wieder in dieser unreal wirkende härte der Realität. In dieser monotonen Ewigkeit. Aber, was heißt schon, ich befand mich wider. Mein Körper hatte den Platz nie verlassen. Er lag 88 Jahre ohne eine einzige Regung in der Apparatur, welche einem ein wahres Leben vorgaukelt. 88 Jahre ohne sich ein einziges Mal zu regen, ohne Nahrung zu sich zu nehmen, so als wäre es der Körper eines toten Mannes. Jedoch was bedeutet eigentlich der Tod in dieser Zeit?
Ich existierte in einer Epoche unserer Menschheitsgeschichte, in welcher man in der Lage war mehrere Tode zu sterben, viele Tode zu sterben, bis auf den einzig wahren. Denn wir hatten das Elixier gefunden, welches seit Gedenkzeiten, von der Menschheit gesucht wurde. Den Stein der Weisen, das Ambrosia des Olymps, den Brunnen des Lebens. Eine Kombination aus einer chemischen Medizin, einem Computerchip, welcher in unser Rückenmark eingepflanzt wurde und winzig kleinen Robotern, welche uns in unser Blut injiziert wurde. Dadurch erlangten wir ewiges Leben. Unsere Nahrungsvorgänge, hatten sich dahingehend entwickelt, dass wir unsere Nahrung aus der energetischen Umwelt absorbierten und die Luftfeuchtigkeit, dazu nutzten, dass wir ausreichend Wasser im Körper besaßen. Sterben konnten wir nur noch, durch Körperliche Schäden, indem unser Gehirn vom restlichen Vorgang unseres Körpers getrennt wurde.
Zuerst brach nach dieser Entdeckung höchste Euphorie aus. Es existierte keine Krankheiten mehr, denn diese wurden von den kleinen Robotern in unserem Blut ausgemerzt. Auch besaßen wir keine Lebenswichtigen, Körperlichen Bedürfnisse mehr, selbst Scheißen musste niemand mehr gehen, es sei denn man Aß aus reiner Gewohnheit oder um die Geschmacksknospen anzuregen. Denn für das reine Überleben benötigten wir keine Nahrungsaufnahme mehr. So kam es dazu, dass immer mehr Tabus gebrochen wurden. Eine Sache war der Sex. Denn dieser wurde rapide schnell immer mehr. Die Menschen hatten immer schneller und öfter Gelegenheitssex, welcher mit der Zeit immer Tabuloser wurde. Denn zum einen brauchte niemand mehr Angst vor Geschlechtskrankheiten haben und zum anderen musste man lediglich den Bebies einen Computerchip verpassen wenn man keinen bock hatte, sich mit ihnen zu beschäftigen. Die chemische Medizin als auch die kleinen Robotter waren schon von Geburt an im Körper des Bebies enthalten und so wuchsen die Bebies alleine heran, wenn auch nicht im Stande jemals richtig menschlich zu leben. Hinzu kam, dass den Menschen nach einiger Zeit, was für Unsterbliche eine nicht definierbare Zeitspanne darstellt, langweilig wurde und zusätzlich zu dem Sex, welcher immer Hemmungsloser wurde, immer waghalsigere Stunts und Selbstverstümmelungen am Tagesplan standen. Denn, die Tatsache, dass sich die Körper ständig regenerierten und auch mit fehlenden Gliedmaßen weiter funktionstüchtig waren, solange Gehirn und Herz in Verbindung standen, nahm den Menschen jegliche Hemmung. Es kam sogar soweit, dass sich Menschen, aus Langeweile und augrund abtrainierten Hemmungen, gegenseitig umbrachten. Die ewige Langeweile übermannte die ewig lebenden Menschen, welche kurz davor standen dem Wahnsinn vollkommen anheim zu fallen.
Kurz vor diesem vollkommenen Wahnsinn, wurden Geräte erfunden, welche einen Menschen mit einem riesigen Netzwerk verbannt, in welchem sie nun in einer virtuellen Welt ein virtuelles Leben beginnen konnten. Man wurde geboren, wobei der Apparat einem die gesammelten Erfahrungen und Gedanken verdrängte und ein neues Leben beginnen lies. Bis man schließlich starb, nur um wider aufzuwachen und sich erneut einzuklinken.
Nun war ich also wach. Ich hatte schon viele Leben gelebt. Manche überwiegend Glücklich, doch manche auch überwiegend tragisch. Einige hielten eine gewisse Balance und andere waren einfach nur langweilig und fad. Und jedes Mal wenn ich wieder erwachte, erinnerte ich mich an alle meine Leben. An all das Glück aber auch an all das Leid, welches mir widerfahren ist. Ich erinnerte mich zum Beispiel an ein Leben, welches ich als Frau führte. Damals starb ich mit 23, weil ich infolge einer Vergewaltigung ermordet wurde. Als ich wider aufwachte hatte ich dermaßen Schmerzen, dass ich mich sofort wider einklinkte. Ein weiteres Mal starb ich aufgrund eines Todesurteils, welchen ich als pedophiler Triebtäter erhielt. Ein anderes Mal wurde ich überfahren. An die Szenen, in denen ich starb, konnte ich mich nach dem Aufwachen immer am besten erinnern. Dieses Mal starb ich recht ereignislos. Ich bin mit 88 allein in meiner kleinen einsamen Wohnung gestorben.
Ich fühlte mich matt und elend. Und am liebsten hätte ich geschlafen, doch stattdessen stieg ich aus dem Käfig, der Apparatur, in welchem ich meine unzähligen letzten Jahre verbracht hatte. Ich verließ das riesige Gebäude mit seinen unzähligen Apparaturen, in welchen die Bewohner der Stadt ruhten, wie die Toten in ihren Särgen. Alles was ich betrat, war graue Tristess. Die Stadt, wie man sie vielleicht mal kannte war nicht mehr. Kein Leben rührte sich in ihr, nicht mal die Tiere, welche nun ohne der Anwesenheit der Menschen würdevoller und besser lebten, wagten es nicht, die einst belebten Städte zu betreten. Ich ging in das erst beste Haus, welches ich fand, mein eigenes war mir so Fremd wie jedes andere und was mich zu anderen Zeiten einmal dorthin zog und mich es „meine Heimat“ nennen ließ, war verschwunden. Ich betrat die Küche des Hauses und öffnete die Geschirrschublade. Meine Bewegungen waren wie in Trance und keine Emotion beherrschte mich, bis auf diese unendliche Müdigkeit. Ich holte ein Fleischmesser heraus. Ging zum Küchentisch. Legte mein Kinn auf das modernde Holz. Schlug zu. Die Klinge durchtrennte meinen Hals, der kopf viel vorweg auf den Boden und das Blut quoll über den Tisch und lief am Rande an, bildete sich zu einem Wasserfall heran, welcher sich auf dem Küchenboden ergoss. Dieses Rot war die einzige Unterbrechung dieser Monotonen grauen Welt.
Später folgten mir viele andere. Andere Menschen, welche ebenfalls müde vom Leben waren. Diejenigen jedoch, deren Müdigkeit sie schon zu sehr überrollt hatte, schliefen einfach nur ein. Bald hatten alle, entweder die Monotone graue Ewigkeit unter einem roten Erguss unterbrochen oder waren einfach eingeschlafen. Ein fast endloser Schlaf, welcher erst endet, als unsere Erde in die Sonne raste. Nur alle 1000 Jahre wachten, welche von ihnen auf. Den schrecklichen Schmerz des Lebens gleich zu spüren bekommend. Einen Schmerz, den niemand zu widerstehen im Stande war und erneut die Monotone Ewigkeit für einen Augenblick unterbrach, welcher dem Nichts gleichkam. Später waren es nur noch alle paar Millionen Jahre dass welche erwachten, noch später nur noch alle paar Milliarden Jahre. Bis schließlich keiner mehr aufwachte. Und die Menschheit für immer schlief.
