[Humor]Zwei Herren. Ein Märchen.

Komödie, Satire, Parodie

[Humor]Zwei Herren. Ein Märchen.

Beitragvon Heisenberg » 09.10.2014, 16:58

Zwei Herren. Ein Märchen.


Beide tragen einen Hut, einen schwarzen Anzug, einen Koffer und in der anderen Hand einen gelben Regenschirm. Eine dicke Brille liegt auf einer spitzen Nase; die Augen sind grau, ein Schnurrbart bedeckt die Lippen, die beim Sprechen zittern werden.
Wenn sie reden, stellen sie sich auf ein Bein, das andere strampelt in der Luft, nach vorn, nach hinten und so fort. Hören sie zu, öffnen sie den Schirm und balancieren ihn auf dem Zeigefinger, während die Brille bis unter das Kinn rutscht und die Ohren sich weit vom Kopf strecken, der auf eckigen Schultern gesteckt worden ist. Jeder Satz wird beendet mit einem Zucken des Bauches, der nach einem Hüftschwung wieder an seinen Platz zurückkehren wird – dabei sinkt das Gesäß nach unten.
Wenn die zwei Herren laufen, schreiten sie mit beiden Beinen gleichzeitig, ohne zu hüpfen. Eilen sie, gehen sie auf den Händen. Beide haben an jeder Hand den Daumen auf der rechten Seite. Bei zunehmender Verwirrung, gleich durch welchen Umstand, tanzen die Hüte im Kreis, fliegen dazu hoch in die Luft und werden anstandslos wieder landen.
Zusätzlich muss erwähnt werden, dass sich beide Herren in allen äußeren wie inneren Belangen niemals unterscheiden. Sie kennen sich nicht. Dies ändert sich, als sie einander im Park begegnen. Es ist Mittag. Die Sonne scheint.

„Guten Tag, der Herr.“
„Guten Tag, der Herr.“
„Bis gerade eben lief ich durch den Park. Nun bleibe ich stehen. Es regnet noch nicht.“
„Auch ich lief durch den Park. Ich stehe. Nein, es regnet noch immer nicht.“
„Ich muss gestehen, ich bin verwirrt.“
„Das gestehe ich auch. Warum sind Sie verwirrt, mein Herr?“
„Es ist mir nicht möglich.“
„Was ist Ihnen nicht möglich, mein Herr?“
„Ihnen zu sagen, welchem Umstand ich diese Verwirrung zu verdanken habe.“
„Es regnet jetzt.“
„Ja, jetzt regnet es.“
„Die unbekannten Umstände, die eine Verwirrung in Ihnen auslösten, mein Herr, ich muss ihnen etwas gestehen.“
„Gestehen Sie, mein Herr.“
„Auch ich bin nun verwirrt.“
„Das ist eine Gemeinsamkeit.“
„Ja, eine Gemeinsamkeit. Glauben Sie, dass dies ausreicht?“
„Ausreicht wofür, mein Herr?“
„Dieses Gespräch fortzusetzen.“
„Lassen Sie mich dies überdenken.“
„Da helfe ich Ihnen.“

Wenn die zwei Herren nachdenken, zieht sich der Hut ganz über den Kopf, und die Arme breiten sich aus, bis sie an die Wolken reichen. Es ist Nachmittag. Der Regen ist zur Seite geschoben. Die Sonne scheint.

„Ich habe eine Idee.“
„Ich habe auch eine Idee.“
„Was für eine Idee haben Sie, mein Herr?“
„Wir setzen das Gespräch fort.“
„Das ist eine gute Idee.“
„Was für eine Idee haben Sie?“
„Wir setzen das Gespräch fort, mein Herr.“
„Das ist eine gute Idee, mein Herr.“
„Setzen Sie bitte das Gespräch fort.“
„Fangen Sie doch bitte an.“
„Ich bitte Sie, mein Herr, Ihnen überlasse ich den Vortritt.“
„Ich danke Ihnen. Aber möchten Sie nicht beginnen?“
„Das ist sehr zuvorkommend. Bitte fangen Sie doch an.“
„Mein Herr, ich danke Ihnen. Gern gebe ich die Ehre an Sie weiter.“
„Nur keine Umstände. Sie sind so freundlich, fangen Sie einfach an.“
„Die Sonne scheint.“
„Ja, die Sonne scheint.“
„Genießen wir diesen Umstand, bevor wir das Gespräch fortsetzen.“
„Ja, sehr gern, mein Herr.“

Wenn die zwei Herren zufrieden sind, setzen sie sich hin, ziehen den Hut und verschwinden darin. Es ist Abend. Die Sonne geht unter. Zwei Kaninchen klettern aus zwei Hüten, nehmen einen Regenschirm in die Hand und gehen getrennte Wege. In der Nacht kehren sie zurück und legen sich schlafen. Zwei Herren stehen auf und begegnen einander zu später Stunde. Es regnet.

„Es ist sehr spät.“
„Ja, es ist sehr spät, mein Herr.“
„Ich muss gestehen, ich bin verwirrt.“
„Aus welchem Grund sind Sie verwirrt, mein Herr?“
„Wie die Zeit vergeht, ist es nicht seltsam?“
„Ja, dieser Umstand hat auch in mir Verwirrung ausgelöst.“
„Das ist eine Gemeinsamkeit.“
„Ja, das ist eine Gemeinsamkeit.“
„Ist es nicht schön, so etwas zu haben?“
„Ja, es ist schön, so etwas zu haben.“
„Das ist sicher der Sinn von allem.“
„Ganz bestimmt.“

Wenn die zwei Herren den Sinn von allem gefunden haben, leben sie glücklich bis an das Ende ihrer Tage.
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Re: Zwei Herren. Ein Märchen.

Beitragvon dadazinga » 18.10.2014, 01:56

Ui das ist ja mal eine sureale Geschichte, fast schon hermetisch^^ Gibt es einen tieferen Sinn oder ist das nur Albernheit? Ich tippe auf letzteres.

Beide tragen einen Hut, einen schwarzen Anzug, einen Koffer und in der anderen Hand einen gelben...

Normalerweise ist es ja ratsamer mit einer Aktion in die Handlung einzusteigen und nicht mit einer Beschreibung. Vielleicht funktionierts ja auch, wenn du die Sätze etwas unstellst, vielleicht mit "Die beiden Herren schreiten mit beiden Beinen gleichzeitig, ohne zu hüpfen, durch den Park..."

ein Schnurrbart bedeckt die Lippen, die beim Sprechen zittern werden

warum plötzlich Futur? Zittern die lippen nicht immer wenn sie sprechen?

Jeder Satz wird beendet mit einem Zucken des Bauches, der nach einem Hüftschwung wieder an seinen Platz zurückkehren wird

Würde ich aktiv schreiben und wieder Futur in Präsens. Oder hat es einen bestimmten Grund für die Zeitform?

Beide haben an jeder Hand den Daumen auf der rechten Seite.

Lustig.

.Es ist Mittag. Die Sonne scheint.

ich mag auch die Wiederholung des Wetters

„Guten Tag, der Herr.“
„Guten Tag, der Herr.“
„Bis gerade eben lief ich durch den Park. Nun bleibe ich...

Die Dialoge pacjen mich jetzt nicht so sehr. Zumindest habe ich schnell begriffen, dass sie sich nicht unterhalten können, da sie gleich sind. Mehr als das sagten meiner Meinung nach die Dialogblöcke nicht. Vielleicht kürzen?

Zwei Herren stehen auf und begegnen einander zu später Stunde. Es regnet.

Die Geschichte soll wahrscheinlich nicht logisch sein aber ich dachte die Herren sind verschwunden. Jetzt sind sie plötzlich wieder da?

Über die Beschreibungen musste ich schon schmunzeln. Der klassische Anti-Witz eben. Aber so richtig gepackt hats mich nicht, ist aber sicherlich Geschmackssache.
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Re: Zwei Herren. Ein Märchen.

Beitragvon Heisenberg » 18.10.2014, 15:57

Hi,

besten Dank für deinen Kommentar. Ich gehe kurz auf ein paar Punkte ein.

Ui das ist ja mal eine sureale Geschichte, fast schon hermetisch^^ Gibt es einen tieferen Sinn oder ist das nur Albernheit? Ich tippe auf letzteres.

Es ist eine Albernheit, die auf ihre Weise einer Intention folgt. Dazu vielleicht gleich noch etwas, vielleicht auch nicht... ;)

Normalerweise ist es ja ratsamer mit einer Aktion in die Handlung einzusteigen und nicht mit einer Beschreibung. Vielleicht funktionierts ja auch, wenn du die Sätze etwas unstellst, vielleicht mit "Die beiden Herren schreiten mit beiden Beinen gleichzeitig, ohne zu hüpfen, durch den Park..."

Eben wegen dieser Intention ist es notwendig, so einzusteigen wie es der Text tut. Immerhin geht der Text schon in die Richtung, eine gewisse Art von Schreibstil zu parodieren, unter anderem. Ich verrate ungern meine Intention, könnte hier aber helfen.

Würde ich aktiv schreiben und wieder Futur in Präsens. Oder hat es einen bestimmten Grund für die Zeitform?

Ja, hat es. Siehe oben. Es geht eher um die Art, wie manches geschrieben wird. Und wie manches aufgelöst, dargestellt und auch "übersprungen" wird. Vorsichtig gesagt. Will nicht alles erzählen... ^^

Die Dialoge pacjen mich jetzt nicht so sehr. Zumindest habe ich schnell begriffen, dass sie sich nicht unterhalten können, da sie gleich sind. Mehr als das sagten meiner Meinung nach die Dialogblöcke nicht. Vielleicht kürzen?

Es ist eine gute Sache, dass die Dialoge dich nicht packen. Es wäre ein Grund zur Sorge, täten sie es doch.

Die Geschichte soll wahrscheinlich nicht logisch sein aber ich dachte die Herren sind verschwunden. Jetzt sind sie plötzlich wieder da?

Die Herren haben sich natürlich vorher in Kaninchen verwandelt.

Der klassische Anti-Witz eben. Aber so richtig gepackt hats mich nicht, ist aber sicherlich Geschmackssache.

Da stimme ich, im letzten Punkt, natürlich absolut zu!

Danke für deine Gedanken,

H.
Heisenberg
 
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